Ausgezeichnete

Vier Ungarndeutsche erhielten den Preis für Nationalitäten des Ministerpräsidenten

Nach achtjähriger Unterbrechung fand die Übergabefeier des vom Ministerpräsidenten verliehenen Preises für Nationalitäten wieder im Jagdsaal des Parlaments statt. Zwölf Personen und ein Ensemble wurden diesmal ausgezeichnet, unter ihnen vier Ungarndeutsche – Johann Abel, Antal Dechandt, Anna Kerner und Maria Wolfart –, die den Preis vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Zsolt Semlyén und von Staatssekretär Miklós Soltész übernehmen durften.

fünfkirchen-leöwey-Tanzgruppe

Johann Abel, Deutschlehrer in Ruhestand,stammt aus der Vojvodina (ist also ein echter Donauschwabe), absolvierte die erste Klasse am Fünfkirchner Leőwey-Gymnasium, in der noch Deutschlehrer für die Unterstufe ausgebildet wurden. Er unterrichtete in Ungarisch-Sek und in der Kenderföld-Grundschule in Kumlau engagiert und gewissenhaft. Er setzte sich nicht nur für die Schüler und die Schule, sondern auch für die Dorfgemeinschaft ein. Vertrat ihre Interessen bereits im Verband der Ungarndeutschen. Er gründete in Kumlau den Deutschklub, war Mitbegründer der Deutschen Selbstverwaltung in der Bergmannsstadt und Mitglied der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Die Auszeichnung erhielt Johann Abel in Würdigung seiner Lehrer- und seiner gemeinschaftsbildenden Tätigkeit.

Die Werke des Bildhauers Antal Dechandt stellen dem Leben und der historischen Vergangenheit der ungarndeutschen GemeinschaftDenkmäler. Seine naturnahen Holzschöpfungen im öffentlichen Raum, wie „Zusammenleben“in Kockersch (Komitat Tolnau), die „Ulmer Schachtel“in Wallei (Komitat Sathmar) oder „das Denkmal der Verschleppung zu Malenki Robot“in seinem Heimatdorf Nadasch (Komitat Branau), sind wichtige Beiträge zur Anerkennung der Kunst der Ungarndeutschen in Ungarn und im Ausland.

Deutschlehrerin Anna Kerner wurdevon ihren eigenen Schülern aus dem Deák-Ferenc-Gymnasium für den Preis vorgeschlagen. In dieser Mittelschule ließ Anna Kerner als Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung in Kleinpesth den deutschen Nationalitätenunterricht einführen. Der Preis ist eine besondere Anerkennung ihrer erfolgreichen pädagogischen und gemeinschaftsbildenden Arbeit, ihres vorbildlichen Verhaltens. Anna Kerner war jahrzehntelang im Ministerium für die Belange des deutschen Nationalitätenbildungsbereichs zuständig, ist auch Mitglied der Deutschen Selbstverwaltung Budapest. Sie organisiert Ausstellungen, Literaturabende, Gespräche und Auslandsreisen.

Deutschpädagogin Maria Wolfart setzt sichseit fast fünfzig Jahren für die Bewahrung der Identität der Ungarndeutschen, für den Erhalt der Muttersprache ein. Sie unterrichtete an den deutschen Gymnasien in Budapest, Fünfkirchen und Werischwar sowie am Germanistischen Institut der Budapester ELTE. In Fünfkirchen gründete sie die „Schwäbische Bühne” und schrieb für sie auch Stücke. Wirkte am Entstehen des Ungarndeutschen Mundartatlasses und an der Ausarbeitung der Kriterien des Lehrfachs Heimatkunde mit. Vor kurzem erhielt sie den Preis der Deutschen Selbstverwaltung „Für das Deutschtum in Budapest“(NZ 50/2019).

Wir gratulieren allen Ausgezeichneten sehr herzlich!

Foto: I. F.

Aus dem Inhalt

Wir selber sind die Garantie für unsere eigene Zukunft!

Liebe Leserinnen und Leser der Neuen Zeitung! Liebe Freunde!

Das alte Jahr ist bereits zu Ende gegangen, um Platz für das neue zu schaffen. Dieser Kreislauf wiederholt sich von Jahr zu Jahr, auch die damit verbundenen Angewohnheiten: man zieht Bilanz, macht sich neue Hoffnungen, formuliert Versprechungen und versucht diese einzuhalten. Auch wir Ungarndeutschen können dem Jahr 2019 zahlreiche Erfolge zuschreiben, müssen aber gleichzeitig nach vorne schauen und die nicht erfolgten bzw. misslungenen Dinge aufgreifen und zu Ende führen. Dies schreibt in ihrem Neujahrsgruß die Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Ibolya Hock-Englender.

Choreograph und Mitglied der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen, Helmut Heil, mit Ferenc-Faluhelyi-Preis ausgezeichnet

Für seine vielseitige gemeinnützige und gemeinschaftsbildende Tätigkeit, erfolgreiche Arbeit in der Organisierung der ungarndeutschen Gemeinschaft sowie für seine jahrzehntelangen Verdienste und unermüdliche Arbeit in den Bereichen Kulturpflege und Bereicherung der Volkstanzkultur wurde der Choreograph und Leiter der Fünfkirchen-Leőwey-Tanzgruppe und Mitglied der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen, Abgeordneter der Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Helmut Heil, von der Selbstverwaltung der Stadt Fünfkirchen mit dem Ferenc-Faluhelyi-Preis ausgezeichnet.

 Helmut_Heil

Neue Direktorinnen im Valeria-Koch-Bildungszentrum Fünfkirchen

Große Änderungen gab es Anfang dieses Schuljahres im Valeria-Koch-Bildungszentrum in Fünfkirchen. Nachdem Ibolya Hock-Englender zur Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung gewählt wurde, gab sie ihre Stelle als Direktorin des Valeria-Koch-Bildungszentrums auf und auch andere Posten innerhalb der Institutionsleitung wurden neu besetzt. Wir stellen die vier neuen Direktorinnen vor.

Grenzüberschreitend gefeiert

Reschitzaer zum ersten Mal in Szegedin auf Besuch

Advent bedeutet u. a. auch Neuanfang. So war es für das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen und für den Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ ein Bedürfnis, Advent auch grenzüberschreitend zu feiern. Und das geschah zum ersten Mal in Szegedin in Ungarn.Unter dem Motto „Begegnung im Advent: Freundschaftsbrücken zwischen den Ungarndeutschen in Szegedin und den Banater Berglanddeutschen in Reschitza“ fand am 14. Dezember im Haus der Nationalitäten der Großstadt im Südosten Ungarns eine erste Begegnung statt.

Das GJU-Jubiläumsjahr 2019 ist abgeschlossen

Ein Jahr voller Ereignisse

Ein inhaltsvolles und ereignisreiches Jahr ist vorbei. Blicken wir ein bisschen zurück, was 2019 rund um die GJU alles passiert ist! Bei der Vorsilvesterfeier hat die Präsidentin ausnahmsweise keine Rede über das vergangene Jahr gehalten, weil diesmal das besondere Jubiläumsjahr der GJU in Form eines Videos zusammengefasst wurde. Den Lesern der Neuen Zeitung wollen wir trotzdem Auskunft darüber geben, wie das 30. Jahr in der GJU-Geschichte gelungen ist.

Kuglers Nachfolger Gerbeaud

Aus drei Generationen einer Ödenburger Konditoreidynastie stammte der Sohn von Anton Kugler und Barbara Limberger, Heinrich Kugler (1830 – 1905), der während seiner ausländischen Studienreisen mehrere Jahre in Paris arbeitete. 1859 übernahm er von seinem Vater das Pesther Geschäft am Nádor-Platz (heute József nádor tér). Auf dem Gruppenfoto posiert der Kopf der Familie noch in Bürgerkleidung, aber die jüngeren Mitglieder tragen schon Magnatentracht samt Stiefeln. Anfang der 1880er Jahre zog er auf den Gisella-Platz (heute Vörösmarty tér), wo er die bis heute existierende Konditorei erfolgreich machte. Kugler erwarb den Titel „Kaiserlicher und Königlicher Hoflieferant“ und erhielt das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone.

Gerbeaud-Innere

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Auflösung des Mundart-Preisausschreibens „die Jähn“ (apremerisch) „die Jäne“ (sawederisch und mutschingerisch)

Die Jähn (die Jäne) ist ein altfuldischer Mundartausdruck aus der Landwirtschaft und leitet sich aus dem Verb: „ja(h)nen“ ab, vgl. Jahn (Deutsches Rechtswörterbuch – DRW). Sie bezeichnet eine bestimmte Landfläche (s. u. „II“ ebenda) und wird somit (vgl. unter „II1“) als der Teil einer bebauten Fläche, den eine Person zur Bestellung oder Aberntung vor sich hat und in einem Gang (siehe Etymologie) erledigt; dann auch „Arbeitspensum“ genannt.

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