Lebenslanger Dienst im Deutschunterricht

Zwei Ungarndeutsche aus der Gründergeneration, die sehr viel für den Bildungsbereich unserer Volksgruppe getan haben, Rosa Mammel und Josef Lantos, verließen uns in letzter Zeit.

Rosa Mammel von uns gegangen

Die Abteilungsleiterin i. R. der Hauptabteilung für nationale und ethnische Minderheiten im Ministerium für Kultur und Unterricht, Rosa Mammel, ist im Alter von 80 Jahren nach einer schweren Krankheit verstorben.

Rosa Mammel wurde 1942 in Surgetin/Szederkény in einer Bauernfamilie geboren, hier besuchte sie auch die Grundschule. 1947 wurde die Familie enteignet. Nach der Mittelschule in Fünfkirchen hat sie ihr Kindergärtnerinstudium in Kaposvár absolviert. Als Leiterin des Kindergartens in Großturwall/Törökbálint und gleichzeitig als Fachinspektorin und Fachberaterin für ungarische und ungarndeutsche Kindergärten im Komitat Pesth, später als Mitarbeiterin des Landesinstituts für Pädagogik hat sie große Verdienste auf dem Gebiet des Nationalitätenunterrichts, des Ausbaus zweisprachiger Kindergärten und Grundschulen erworben. Mehrere Jahre engagierte sie sich als Mitglied im Landesrat des Verbandes der Ungarndeutschen vor allem im Bildungsbereich.

Nach der Wende arbeitete sie eng mit dem Amt für Nationale und Ethnische Minderheiten sowie mit der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen zusammen. Sie war bis 1996 Stiftungsratsmitglied der Deutschen Schule in Budapest in Vertretung der Ungarndeutschen. Sie koordinierte die deutsch-ungarische Arbeitsgruppe für Lern- und Lehrmaterialien und leitete die ständige Unterkommission der gemischten Kulturkommission zur Umsetzung der gemeinsamen Erklärung der Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Ungarn. Später war sie Koordinatorin für deutsch-ungarische Zusammenarbeit im Rahmen der Unterkommission.

Sie stand den Bildungsinstitutionen stets mit Rat und Tat bei. Sie setzte sich dafür ein, dass in ihrem zweiten Heimatort Großturwall die Deutsche Selbstverwaltung als erste im Lande einen deutschen Kindergarten übernimmt. Sie organisierte und leitete verschiedene Projekte mit Österreich, Südtirol und der Bundesrepublik Deutschland, besonders mit dem Freistaat Bayern (Erzieheraustausch, Partnerschaften, Training, Seminare, Fortbildungen und Expertenprogramme).

Ihre Veröffentlichungen bereicherten die pädagogische Arbeit in den ungarndeutschen Kindergärten: sie stellte spezielle Lieder-, Spiel- und Fachausdrucksammlungen für die deutschsprachigen Beschäftigungen in den Kindergärten zusammen, schrieb Fachmethodik für Ausbildungsinstitutionen, Empfehlungen zur Förderung der deutschen Sprache in der altersgemischten Gruppe sowie einen Rahmenplan für Deutsch in Nationalitätenkindergärten. Ihre Artikel erschienen in den Fachzeitschriften für Pädagogik und in der Neuen Zeitung.

Auch im Ruhestand unternahm sie viel für die Weiterbildung der Deutschpädagogen in und um Budapest. Ihre Verdienste wurden mit verschiedenen Auszeichnungen anerkannt: 1995 hat sie das „Bundesverdienstkreuz am Bande“ (Deutschland), 1996 das „Verdienstkreuz in Gold“ (Ungarn) und 1998 die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“ erhalten.

In ihrer Gesellschaft fühlte man sich immer wohl. Mit ihrer freundlich-fröhlichen Art und mit ihren köstlichen Süßspeisekreationen konnte sie ein großes Netzwerk an ausländischen und inländischen Gesprächspartnern, Bekannten, Kollegen, Freunden ausbauen. Wir vermissen sie.

Rosa Mammel wird am 4. März (Freitag) um 11 Uhr auf dem Friedhof von Großturwall zu Grabe getragen.

Rosa Mammel übernimmt das Bundesverdienstkreuz am Bande von Botschafter Heinichen

Foto: NZ-Archiv

Zum Tod von Josef Lantos

Im Alter von 99 Jahren verstarb am 17. Feber Josef Lantos, der sich bereits in sehr schweren Zeiten in der Branau für die deutsche Sprache, für Bildung und Unterricht der Ungarndeutschen erfolgreich eingesetzt hat.

Josef Lantos (Leister) stammte aus einer armen ungarndeutschen Familie in Lapantsch/Lapáncsa. Er studierte an der Bischöflichen Lehrerbildungsanstalt in Fünfkirchen. Zur Aufnahmeprüfung ging er in Patschkern und nach Abschluss hat er das beste Kantordiplom erhalten. Ab 1942 unterrichtete er in Besedek (seine nach dem Weltkrieg vertriebenen Schüler luden ihn und seine Gattin später viermal nach Kanada und in die USA ein), Gowisch und Boschok. In Boschok hat er seine Frau Erika kennengelernt. Er wurde Fachinspektor und Leiter der Bildungsabteilung des Kreises Mohatsch. Im NZ-Archiv ist ein Brief aufbewahrt, in dem er auf einen Artikel über die Bildung im Kreis Mohatsch reagiert. Anschließend, bis zu seiner Pensionierung 1983, war er stellvertretender Leiter der Bildungsabteilung beim Komitatsrat Branau.

„Mit kleinen Schritten konnte man manche Kleinigkeiten erreichen, und diese Kleinigkeiten bedeuteten für uns die größte Freude“, sagte Lantos in einem NZ-Gespräch.

Er setzte die Vorhaben des Nationalitätenausschusses des Komitatsrates konsequent durch. Sorgte für die Einführung der Nationalitätenlehrpläne. In Bohl wurde die erste zweisprachige Grundschule gegründet. Im Komitat Branau wurde der Nationalitätenzuschuss für Lehrer eingeführt. Er unterstützte das ungarndeutsche Leselager in Baar. Die Branauer Erfahrungen konnte er als Mitglied des Landesrates im Verband der Ungarndeutschen landesweit bekannt machen.

Nach seiner Pensionierung betreute Josef Lantos als Mitarbeiter des Pädagogischen Instituts der Branau zahlreiche Projekte. Mit dem aus Numja stammenden und in München lebenden Professor Gallus Rehm, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn 1987-1999, wurden in Wien fünf Jahre lang Sprachseminare für Schüler aus dem Fünfkirchner Leőwey-Gymnasium und aus Deutschland organisiert. Den Mangel an Lehrbüchern versuchte er durch Büchersendungen aus Deutschland und Österreich zu lindern. Er unterstützte ungarndeutsche Dörfer bei der Suche nach einer Partnergemeinde; vielen Bildungseinrichtungen verhalf er zu einem deutschen oder österreichischen Partnerinstitut.

Die schönste Anerkennung seiner Tätigkeit war die Dankbarkeit von Hunderten junger Menschen und ihrer Eltern, dass sie die Muttersprache ihrer Großeltern erlernen konnten. „Mit Freude erfüllt es mich, wenn ich daran denke, wie zahlreich sich Menschen engagierten, an Auslandsreisen teilgenommen haben, wie viele Freundschaften, Partnerschaften geschlossen, wie viele neue Projekte gestartet wurden. Es sind Beziehungen entstanden, die noch heute lebendig sind, nicht nur im schulischen Bereich, sondern zwischen Gemeinden, in der Gesellschaft, zwischen Menschen“, betonte Lantos im bereits erwähnten NZ-Gespräch.

Seine hervorragenden Verdienste wurden mit der Auszeichnung „Goldenes Ehrendiplom“ der Steiermark (1998), mit dem Preis „Für das Deutschtum in Fünfkirchen“ (2004) und mit dem „Lenau-Preis“ (2006), gewürdigt.

Josef Lantos wird am 9. März um 15.00 Uhr auf dem Friedhof in Fünfkirchen verabschiedet.

Foto: NZ-Archiv

Aus dem Inhalt

Die Wahlkampagne für ein Parlamentsmandat läuft

Die Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen trat am 26. Februar zum ersten Mal in diesem Jahr zusammen und hat über zwei Dutzend Tagesordnungspunkte beraten und abgestimmt. Obwohl dies nur eines der erörterten Themen war, wurden bei dem Treffen im Friedrich-Schiller-Gymnasium in Werischwar auch die Vorbereitungen für die bevorstehenden Parlamentswahlen eingehend diskutiert. Wie bekannt, stellt die LdU zum dritten Mal eine Landesliste, die von dem derzeitigen ungarndeutschen Abgeordneten Emmerich Ritter angeführt wird.

Von Monat zu Monat: Der März

Der Monat März ist – selbst wenn es da noch vorkommen kann, dass der Winter durch Schneegestöber gegen den erwachenden Frühling ankämpft – der Aufbruch ins Neuerwachen der Natur, ins Sprießen und Blühen, ins Wachsen. Der Namenspate für den Monat März ist der römische Kriegsgott Mars. Im alten Julianischen Kalender, der bis zum Jahr 1582 galt, war der März (lateinisch „Martius“) der erste Monat des Jahres. Den Neujahrstag hat man am 25. gefeiert. Nach der gregorianischen Kalenderreform begann das neue Jahr zwar mit dem Monat Jänner, es gab jedoch keinen offiziellen Neujahrstag. Die Einführung von diesem mit dem 1. Jänner ordnete erst Papst Innozenz XII. im Jahr 1691 offiziell an.

Kathedra Petri

In der römisch-katholischen Kirche wird am 22. Februar das Fest Kathedra Petri (im Volksmund Petri Stuhlfest) gefeiert, womit man der Einsetzung des Papsttums beziehungsweise der Berufung des Apostels Petrus zum Lehramt in der Kirche gedenkt. Bis in unsere Tage hat dieser Feiertag bereits an Bedeutung verloren und ist fast in Vergessenheit geraten. Das Fest, welches im antiken Rom bereits im 4. Jahrhundert nachweisbar ist, geht ursprünglich aus einem heidnischen Totenkult hervor. Am 22. Februar kamen die Menschen zusammen und gedachten im Rahmen eines Totenmahls ihrer Verstorbenen. Bei diesem Ritus stellte man, um der Dahingeschiedenen zu gedenken, einen leeren Sessel auf. Auch für die Toten hat man Speisen aufgetischt.

5 Jahre ungarndeutsches Programm im evangelischen Kindergarten in Fünfkirchen

Der „Blaue Elefant“ ist schon seit über 45 Jahren ein ikonischer Kindergarten in der Gartenstadt von Fünfkirchen. 2017 übernahm die evangelische Gemeinde die Einrichtung in Trägerschaft, und kurz darauf bot sie den Familien auch das zweisprachige Nationalitätenprogramm an. Die Idee für die Erweiterung der evangelischen Erziehung um die deutsche Sprache und die ungarndeutsche Kultur kam in der Fünfkirchner Glaubensgemeinschaft, wo viele ungarndeutsche Familien Mitglieder sind, gut an.

Bohler Heimatmuseum im Entstehen

In Bohl entsteht bald in Zusammenarbeit der Stadt und der Deutschen Selbstverwaltung ein neues Heimatmuseum. Erworben wurde ein altes ungarndeutsches Haus, das 1906 von Konrad Kőnig gebaut wurde und sich demgemäß in einem sehr renovierungsbedürftigen Zustand befand. Die Renovierungsarbeiten laufen dank der Unterstützung durch das Volksarchitekturprogramm kontinuierlich, den Plänen nach kann das Heimatmuseum schon im Sommer übergeben werden. In Bohl wird hoffentlich bald auch ein neuer GJU-Freundeskreis gegründet, der das Haus auch für seine eigenen Programme nutzen kann.

Informationen zur Wahl der Deutschen Liste

Auf drei Seiten veröffentlicht die Neue Zeitung Informationen zur Registrierung und zur Wahl der Deutschen Liste am 3. April.

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21. Landesgala am Tag der ungarndeutschen Selbstverwaltungen

Die „entscheidende Rolle“ der Ungarndeutschen in den deutsch-ungarischen Beziehungen würdigte in seiner Festrede der Schirmherr der Veranstaltung, Parlamentsvizepräsident Gergely Gulyás, der die hiesigen Deutschen als „Urnationalität“ bezeichnete, die seit tausend Jahren Ungarn bereicherten.

Identität erleben und weitergeben – Im Gespräch mit Schauspielerin Szandra Holczinger

Szandra Holczinger wurde 1990 in Pápa geboren und stammt aus Sitsch/Bakonyszűcs. Sie ist in der Mundart aufgewachsen und war Schülerin des László-Lovassy-Gymnasiums Wesprim. Von 2010 – 2013 besuchte sie die Schauspielschule Gór-Nagy Mária. Über ihre Laufbahn und Herzensangelegenheiten – die Beschäftigung mit der deutschen Sprache, mit Kindern und der Schauspielkunst – sprach NZ mit ihr.

Sechzig Jahre deutsche Rundfunksendung in Fünfkirchen: Rückblick auf die ungarndeutsche Stimme

Informationen in der Muttersprache an den Rezipienten zu vermitteln: dies wurde am 31. Dezember 1956 durch Studio Fünfkirchen des Ungarischen Rundfunks für ungarndeutsche Hörer Realität. Heute gestaltet eine kleine Redaktion in Fünfkirchen unter nicht leichten Bedingungen eine täglich zweistündige deutsche Funksendung und die wöchentlich 26-minütige Fernsehsendung „Unser Bildschirm“. Herzliche Gratulation an das jubilierende Redaktionsteam!

Martin Stock aus Saar: „Die Heimat ist nicht ein Land, sie lebt in uns“

Der junge Lehramtstudent der ELTE, Martin Stock, wollte schon von klein auf Lehrer werden und ist vielseitig in die Traditionspflege seiner Heimatgemeinde Saar eingebunden. Die Traditionspflege wird in Saar großgeschrieben, die meisten Kinder lernen schon im Kindergarten die örtlichen Bräuche und Tänze kennen.

Ein Winzer aus Leidenschaft – Dávid Wilhelm “Die Weinbaukultur in Haschad wieder aufblühen lassen”

Schon als kleines Kind ging Dávid Wilhelm mit seinen Großeltern und Eltern in den gemeinsamen Weingarten arbeiten und hat mit der Zeit immer mehr geholfen. Wie er sagt, hat ihn die ungarndeutsche Weinbautradition dazu bewegt, Winzer zu werden.