Künstlerische Neuorientierung wegen der Pandemie:

Schauspielerin Ildikó Frank ist auch online voll in ihrem Element

Als freischaffende Schauspielerin ist die ungarndeutsche Künstlerin Ildikó Frank normalerweise ständig unterwegs. Durch die Pandemie hat sich in ihrer Branche, dem Theater, jedoch so einiges geändert. Aufführungen konnten und können immer noch bedingt stattfinden, das Publikum greift immer öfter auf Online-Inhalte zurück. Für Schauspieler bringen diese Änderungen aber auch die Zeit der Neuorientierung. Wie Freiberufler mit der Situation umgehen, welche neuen Möglichkeiten und Pläne man trotz der Pandemie an künstlerischen Projekten verwirklichen kann, berichtet Ildikó Frank aus Fünfkirchen.

Wie hat die Pandemie Ihre Arbeit beeinflusst?

Vor der Pandemie, im Jahr 2019, hatte ich die letzte Live-Vorstellung am 11. März, nachher wieder erst am 17. Juni. Zum Glück bin ich seit 2018 Lehramtsstudentin an der Uni Fünfkirchen, so konnte ich die Quarantänemonate 2019 und 2020 für mein Studium nutzen und auch diese Zeit mit sinnvollen Aktivitäten füllen. Natürlich überlegt man sich als Schauspielerin, wie man auch in solchen ungewöhnlichen Zeiten seinen Beruf ausüben kann. Zuerst habe ich mich zu einer Gruppe von ungarischen Künstlern (Művészek az Otthoni Oktatásért) gesellt und literarische Texte auf Ungarisch für den Unterricht in Videoform aufgenommen. Dasselbe habe ich dann auch auf Deutsch gemacht und befreundeten Deutschlehrern Texte zugeschickt, die im Unterricht angewendet wurden. Ich war in einer Online-Premiere mit der Lesung von Rainer Werner Fassbinders Stück Der Katzelmacher involviert, das Projekt wurde von der Zeitschrift Jelenkor und dem Goethe-Institut gefördert, und Ende 2020 habe ich selbst eine Online-Premiere aus Matei Visniecs Stück Paparazzi inszeniert, unterstützt vom Goethe-Institut durch den Lenau-Verein. Ich hatte auch als Übersetzerin viel zu tun, habe z. B. Gedichte einer Freundin aus Temeswar ins Deutsche übertragen, Theaterstücke übersetzt, Liedertexte geschrieben. Finanziell haben mich in dieser Zeitspanne meine Online-Stunden an der Medizinischen Fakultät der Universität Fünfkirchen und ein paar Fernsehwerbespots gerettet. Auch im Jahr 2021 hatte ich meine Online-Aktivitäten fortgeführt: Ich habe einen Aussprachekurs geleitet, ein Theaterstück, ein Hörspiel und ein Album mit Kinderliedern produziert.

Was hat Sie in dieser Zeit trotz Schwierigkeiten positiv gestimmt?

Das Experimentieren mit neuen Formaten hat mich in dieser Zeit vor neue Herausforderungen gestellt. In meinem Studium an der Uni habe ich auch meine Englischkenntnisse auffrischen müssen, und ich habe entdeckt, dass ich immer noch fähig bin, Neues zu lernen. Das stimmt einen auf jeden Fall positiv.

Bündeltanz – eine Koproduktion mit talentierten, etwas weniger bekannten Schauspielern teils auch selber ungarndeutscher Herkunft war eine Ihrer Aufführungen, die unlängst in aller Munde war. Könnten Sie uns ein wenig über dieses Projekt erzählen?

Das Projekt wurde von Regisseur Krisztián Ákli initiiert und mit seinem Oberon-Ensemble durchgeführt, das keine feste Truppe ist, sondern sich immer für verschiedene Projekte aufstellt. In Bündeltanz haben verschieden Leute mitgewirkt, die aber alle mit dem Ungarndeutschtum verbunden sind. Wir alle hielten die szenische Bearbeitung dieses Themas für sehr wichtig, vor allem, weil es in dieser Form noch nie bearbeitet wurde. Unser Ziel war von Anfang an, die menschliche Seite der historischen Ereignisse zu zeigen, uns damit auseinanderzusetzen, wie sich die Geschichte auf das Alltagsleben normaler Menschen auswirkt. Wir haben zuerst durch Improvisationen die narrative Identität der Charakter aufgebaut und am Ende sind wir beim endgültigen Text des Stückes angekommen, wobei uns die dramaturgische Arbeit von Schriftsteller Robert Balogh unterstützte. So ist es also eine ganz persönliche Geschichte geworden, die allen Mitwirkenden am Herzen liegt, mir auch ganz besonders deshalb, weil ich mit meinem Sohn auf der Bühne stehen konnte – es war ein Erlebnis für uns beide! Unser Bühnenbild, der Vorbau eines Schwabenhauses in Feked, hat mit seiner authentischen Stimmung zur Wirkung der Vorstellung enorm beigetragen. Der Impact war größer als wir uns je hätten wünschen können, viele Zuschauer fühlten sich bewegt, uns nach der Vorstellung ihre eigene Familiengeschichte zu erzählen. Da die Produktion vom Déryné-Programm unterstützt wird, hoffen wir sie dieses Jahr an mehreren ähnlichen Orten zeigen zu können. Sicherheitshalber erarbeiten wir gerade eine Version, die auch in einem inneren Raum aufgeführt werden kann.

Sie sind momentan überwiegend online unterwegs. „Theater Jetzt Pécs“ ist Ihre offizielle Seite auf Facebook. Was alles ist in Ihrem Repertoire zu finden?

Ich habe meine eigene Theaterfirma gegründet, um auch nach meiner langen Zeit an der DBU meine Aktivität als ungarndeutsche Schauspielerin fortsetzen zu können. Zum Glück habe ich von Anfang an viele Unterstützer gefunden und konnte viele Projekte verwirklichen. Mein Ziel war und ist es, alle Interessenten im Land zu erreichen, deswegen produziere ich leicht transportierbare Vorstellungen mit wenigen Mitwirkenden. Ein festes Team habe ich nicht, für jede Produktion suche ich mir die passenden Partner aus, es gibt aber Kollegen, mit denen ich immer wieder gerne zusammenarbeite, wie zum Beispiel der Fünfkirchner Regisseur Iván Funk, der Wiener Schauspieler Andreas Kosek, der Seksarder Pianist Tamás Lozsányi und nicht zuletzt mein Lebenspartner Zoltán Ágoston, Chefredakteur der Literaturzeitschrift Jelenkor, mit dem ich als Autor und Dramaturg ständig zusammenarbeite. In meinem Repertoire befindet sich zum Beispiel das von ihm geschriebene Stück Café Klimt sowohl in einer deutschen als auch in einer ungarischen Variante, der musikalische Abend mit Liedern von Marlene Dietrich und meine letzte Premiere Name: Sophie Scholl. Auch in ungarndeutscher Thematik habe ich Lesungen im Repertoire, wie den Gedichtabend Meine Heimat: Die Branau und Robert Baloghs Stück Ich habe hier nichts mehr zu suchen. Auch meine Koffermärchen-Serie spiele ich weiterhin in ungarndeutschen Schulen und Kindergärten.

„Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer ist Ihre Aufführung auf YouTube (NZ 3/2022). Sie spielen hier mit Ihrem langjährigen österreichischen Kollegen Andreas Kosek. Was ist das Besondere an diesem Stück?

Die Produktion wurde vom Bundesministerium des Inneren über die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gefördert und war die letzte Produktion des Jahres 2021. Um sie in breiterem Kreis bekannt zu machen, haben wir nun eine Online-Premiere für das Stück initiiert. Das Stück des österreichischen Autors Daniel Glattauer ist für eine digitale Aufführung perfekt geeignet: Es ist eine Liebesgeschichte, die sich ausschließlich durch einen E-Mail-Wechsel entwickelt. Andreas Kosek war diesmal nicht nur mein Schauspielerkollege, sondern Co-Regisseur und mit seinem teatro caprile auch Co-Produzent der Vorstellung. Wir empfehlen die Vorstellung ab 16 Jahren, auch für Aufführungen für ungarndeutsche Selbstverwaltungen und Vereine für Zeiten, wenn man eventuell noch keine Live-Events veranstalten kann.

Auf welche neuen Projekte und Aufführungen können sich Ihre Fans 2022 freuen?

Ich plane dieses Jahr einen Liederabend von Georg Kreisler und eine Vorstellung aus Szenetten von Loriot auf die Bühne zu bringen sowie eine Live-Variante des Stückes Gut gegen Nordwind. Für Kinder steht nun auch das etwas erweiterte Koffermärchen Die kleine Hexe auf meinem Spielplan. Und ich spiele natürlich auch meine bisherigen Produktionen weiter.

GS

Ildikó Frank (2. von links) in Bündeltanz

Foto: Renato Csatich

 

Aus dem Inhalt

 

Gedenkfeier in Elek

 

Zahlreiche Gäste folgten auch dieses Jahr der Einladung des Vereins der Deutschen und der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltung Elek zur Gedenkfeier zum 76. Jahrestag der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen aus der Gemeinde. Das Festprogramm am 23. Jänner begann in der katholischen Kirche mit einer feierlichen Messe, die den Opfern gewidmet wurde. In seiner Festrede sprach Pfarrer Gusztáv Fazakas u. a. darüber, wie die Mitleidenden all die Grausamkeiten mit Hilfe ihres festen Glaubens überleben konnten. Der katholische Kirchenchor unter Leitung von Kantor Zsolt Aradi sorgte für die musikalische Begleitung – auch mit deutschen Kirchenliedern.

AGROmashEXPO 2022

Die wichtigste Veranstaltung der ungarischen Agrarwirtschaft ist die Internationale Fachmesse für landwirtschaftliche Maschinen, Dienstleistungen, Innovationen, Technologien, Anlagen, Fachprogramme. Ort der Veranstaltung der 40. AGROmashEXPO war das Messegelände von Steinbruch/Budapest-Kőbánya mit etwa 20.000 Quadratmetern: in der Ruhezeit der Vegetation und der Landwirtschaft, in der Organisation der Firma Hungexpo präsentierten zwischen dem 26. und 29. Jänner mehr als 200 in- und ausländische Firmen, Aussteller mit Hilfe von verschiedenen demonstrativen Marketingmedien ihre Produkte, Waren und Dienstleistungen.

Glaube stiftet Gemeinschaft geht 2022 weiter

Das Projekt Glaube stiftet Gemeinschaft geht auch 2022 weiter! Das Jakob-Bleyer-Heimatmuseum Wudersch und der Kornspeicher in Jeina erwarten wieder Anmeldungen von ungarndeutschen Klassen. Die im Jahr 2021 erschienene Ausgabe mit dem Titel „Glaube stiftet Gemeinschaft“ enthält alle wichtigen Informationen für jene, die an diesem interessanten Projekt teilnehmen möchten. Die Broschüre ist im Heimatmuseum erhältlich! Die Deutsche Selbstverwaltung Wudersch möchte unter Mitwirkung des Heimatmuseums und des Kornspeichers die Kenntnisse von Grundschulkindern über das Kirchenleben und die Ungarndeutschen fördern.

Der frisch renovierte Bawazer Jugendklub öffnete seine Tür

Der Bawazer GJU-Freundeskreis ist der Selbstverwaltung Bawaz sehr dankbar, dass der örtliche Jugendklub dank der Renovierung im Jahre 2021 seine Besucher von jetzt an in neuem Kleid erwartet. Die Deutsche Selbstverwaltung leistete ebenfalls ihren Beitrag zu der Erneuerung. Durch ihren erfolgreichen Antrag an das Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat „Ausstattung von Jugendbegegnungsstätten“ konnten die Räumlichkeiten mit verschiedenen Möbelstücken und technischen Geräten schon im vergangenen Jahr eingerichtet werden.

Von Monat zu Monat: der Februar

Für den Monatsnamen Februar stand die fiktive Märtyrin Febronia Pate, die laut dem immerwährenden Heiligenkalender am 25. Juni ihren Namenstag feiert. Zurückzuführen ist die Benennung jedoch auf die römische Göttin Juno Februata, die als Schutzherrin der Liebesleidenschaft (das lateinische Wort „febris“ heißt Fieber) galt. Zu ihrem Festtag gab es im antiken Rom orgiastische Feiern. Dem ursprünglich nur zehn Monate umfassenden römischen Jahr fügte König Numa Pompilius mehr als 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung zu Ehren von Juno Februata noch einen elften und zwölften Monat hinzu, so wurde der Februar zum letzten Monat des Jahres, in dem auch der Ausgleich für „fehlende“ Tage geschaffen wurde. Man hängte deshalb Schalttage im Feber an, was bis heute so blieb.

Errichtung von ungarndeutschen örtlichen Lehrpfaden in ungarndeutschen Gemeinden aus Mitteln des BMI (2022)

Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen unterstützt den Ausbau von zwei weiteren ungarndeutschen örtlichen Lehrpfaden, die auch zum landesweiten Netzwerk der ungarndeutschen Lehrpfade der LdU (www.lehrpfad.hu) gehören werden.

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