Inventarisieren? Fortgesetzt

Nach dem Inventarisieren der Ausstellungsgegenstände von fünf ungarndeutschen Heimatmuseen aus Mitteln des BMI 2020 bekamen auch dieses Jahr zwei Gemeinden die Möglichkeit, ein offizielles Inventarbuch aus Fördermitteln erstellen zu lassen.

In Tax/Taksony wurden im Oktober, gleich nach Erneuerungsarbeiten am Gebäude und an den Räumlichkeiten, die Ausstellungsobjekte neu eingerichtet und gleichzeitig in einer elektronischen Datei erfasst. Dem folgt dann bald das Ausfüllen eines volkskundlichen Inventarbuches von Hand, was eine Voraussetzung zum Erlangen einer musealen Betriebserlaubnis ist. Dies wiederum brauchen die musealen Einrichtungen, um an staatliche Fördergelder heranzukommen.

In Surgetin/Szederkény müssen noch am Gebäude des Heimatmuseums, an einem originalen, bauhistorisch und denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, Renovierungsarbeiten durchgeführt werden. Derweilen wurde nun im November von den Einrichtungsgegenständen des Hauses sowie von den Objekten der ortsgeschichtlichen Ausstellung ein Inventar aufgenommen. Beide Sammlungen möchte man dann im Fachwerkhaus und in seinen Nebengebäuden unterbringen, da der Raum der ortshistorischen Ausstellung anderweitig, als ein Jugendklub, genutzt werden soll.

Inventarisieren in einem datentechnisch noch nicht erfassten Museum ist immer interessant, fast aufregend, denn oft bekommt man Gegenstände in die Hand, die selbst erfahrene Volkskundler stutzig machen. So sind z. B. in Surgetin gleich zwei Gegenstände – unter den über 700 Stück – aufgetaucht, von denen man nur erahnen kann, wozu sie mal gebraucht worden sind. Ein spitzer, gedrechselter Holzstab, schön glatt und in die flache Hand passend, den man vielleicht beim Maisschälen gebrauchte, oder aber vielmehr bei der Kornernte zum Binden der Garben? Oder ein eigenartiger Rechen, dessen Zinken rund gebogen sind und ganz spezielle Spitzen am Ende haben. Was hat man wohl damit geerntet, eingetragen, eingefangen. Obst oder Getreide, oder gar was ganz anderes?

Wir haben vieles versäumt, haben vergessen, der Erlebnisgeneration rechtzeitig Fragen zu stellen…

Zu danken haben wir aber für die Möglichkeit der offiziellen Erfassung der Exponate dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat der Bundesrepublik Deutschland (BMI) und den Mitarbeitern der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen für die Vermittlung. Die BMI-Projekte sind unter den ungarndeutschen Selbstverwaltungen seit Jahren landesweit bekannt, und besonders erfreulich ist es, dass nun auch unsere kleinen ländlichen Museen ins Blickfeld der Förderer gerückt sind. Hoffentlich bleibt es auch so!

Gabi Jaszmann

Die beiden im Artikel erwähnten Gegenstände aus Surgetin

 

Aus dem Inhalt

Die aktuelle Neue Zeitung erschien zu Weihnachten am 23. Dezember auf 40 Seiten.

Die Neue Zeitung veröffentlicht die Grußworte von Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und Joschi Ament, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn.

Aus Fünkirchen nach Salzburg – Ein ungarndeutscher Schauspieler auf internationaler Bühne

Bálint Walter wurde 1985 in Fünfkirchen geboren. Er hat am Valeria-Koch-Bildungszentrum in seiner Heimatstadt maturiert und studierte anschließend Germanistik und Hungarologie an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest. Neben dem Studium sammelte er bereits erste Theatererfahrungen am Deutschen Theater Budapest und schloss 2012 eine professionelle Schauspielausbildung an der Theaterschule Bruneck in Südtirol ab. Walter lebt und arbeitet heute als freischaffender Schauspieler in Salzburg. Zuletzt war Bálint Walter in Ungarn mit einer eigenen Produktion, einem Villon-Abend, auf Einladung der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen zu sehen.

Die wahren Engel der Weihnachtszeit

Rückblick auf unser Jahr

In der Vorweihnachtszeit lässt man das Jahr Revue passieren, erinnert sich an die besonderen Momente, die das ausklingende Jahr gebracht hat. Vieles ist 2021 geschehen, und wenn man alles aufzählt, kann man doch zum Schluss kommen, dass auch dieses Jahr in vielerlei Hinsicht sehr schön und sehr erfolgreich war. Die Mitglieder des Deutsch-Ungarischen Freundeskreises Metschge haben sich am 1. Adventssonntag im Rahmen einer kleinen Weihnachtsfeier an dieses Jahr erinnert.

Pfarrer der Ungarndeutschen, Jakob Geiger (Jaki bácsi)

Pfarrer Jakob Geiger stammte aus Wudigeß und leistete in der Familienforschung sehr wertvolle Arbeit. Er war eine außengewöhnliche Persönlichkeit, die nicht nur in Wudigeß, sondern auch in den anderen Ortschaften, wo er tätig war, sehr beliebt war und verehrt wurde. Als Freund und Kollege von Prälat Franz Walper, erster Pfarrer der neugegründeten Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in Budapest, engagierte er sich im St. Gerhards Werk Ungarn (Verein der Katholischen Ungarndeutschen). Er hat für die Ungarndeutschen viel getan, hat regelmäßig deutschsprachige Messen gelesen, hat Predigten in deutscher Sprache gehalten, das Werischwarer deutsche Liederbuch lektoriert.

Einweihung des erneuerten Schleining-Kreuzes in Bawaz

Nahe der Landstraße Mohatsch-Fünfkirchen, auf dem Grund der ehemaligen Scheinings-Pußte im Bawazer Hotter, leuchtet von weitem ein erneuertes Steinkreuz. In der Autobahn-Abbiegung M60, umgeben von vier jungen Linden, verkündet es wieder das Lob des Herrn und zeugt vom Glauben und der Opferbereitschaft unserer Vorfahren. Es war auch diesmal ein ergreifendes Ereignis, als sich jetzige und frühere Einwohner des Dorfes und Gläubige der Umgebung versammelten, um der Neueinweihung beizuwohnen. Ihr vorangegangen war die Initiative und die monatelange Arbeit der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Bawaz, das 1908 aufgestellte, von der Familie Schleining gestiftete sakrale Denkmal, das in der Nachkriegszeit immer mehr verfallen war, neu herzurichten.

„Lebendiger Adventskalender“ – Viele Freundeskreise haben heuer auch mitgemacht

Der Advent ist die wohl besinnlichste Zeit des Jahres. Die Menschen bereiten sich auf die Geburt Jesu Christi, auf das Fest der Liebe vor. Auch bei den Freundeskreisen der GJU ist es nicht anders, viele von ihnen schlossen sich der Aktion „Lebendiger Adventskalender“ an. In der letzten NZ-Ausgabe des Jahres stellen wir vor, wie sie mit ihren einzigartig schönen Fenstern und Rahmenprogrammen zu dem Adventzauber beigetragen haben.

Stimmungsvolles Adventskonzert in der Sporthalle des UBZ

„Die Essenz des Wartens und Vorbereitens auf den Advent besteht darin, unser Haus, die Schule, die Sporthalle, aber vor allem unsere Herzen zu schmücken. So bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Es ist uns eine große Freude, wieder mit der Schulgemeinschaft feiern zu können.“ Mit diesen Gedanken wurden die Teilnehmer des Adventskonzerts im Ungarndeutschen Bildungszentrums am 8. Dezember in der Sporthalle der Institution in Baje von der Hauptdirektorin Theresia Szauter begrüßt.

Die nächste Neue Zeitung erscheint am 7. Jänner 2022

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Die Stadt Bonnhard gründete 1993 den Perczel-Preis für herausragende Leistungen im Interesse der Stadt und ihrer Einwohner. Als Anerkennung ihrer beispielhaften und gewissenhaften Tätigkeit für die Bewahrung von Kultur und Identität der Ungarndeutschen sowie für ihren Einsatz im öffentlichen Leben durfte Ilona Köhler Koch, Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung, Leiterin des Volkstanzvereins Kränzlein, im Rahmen der Feierlichkeit zum Nationalfeiertag am 15. März 2017 den Perczel-Preis entgegennehmen.

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„Rede wie am de Schnowl kwockse is“: Wer hätte schon gedacht vor zehn Jahren, als auf Initiative der Deutschlehrerin Agathe Hárs eine kleine Gruppe meist betagter Tscholnoker im Kulturhaus zusammenkam, um die nur als Haussprache lebendige heimische Mundart öffentlich, „im Dischkursch“ zu pflegen, dass am 4. März 2017 der immer noch bestehende Kreis so ein groß angelegtes Jubiläum feiern wird?

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