Eine Möglichkeit der Traditionspflege in Schulen oder in AGs

„Kinderjahre der Urgoßmutter in Herend“

Eine Möglichkeit der Traditionspflege in Schulen oder in AGs

Während Maria Arnold Sitte und Brauch ihrer Heimatgemeinde gesammelt habe, leitete sie gleichzeitig in der Grundschule mit deutschem Nationalitätenunterricht in Herend einen deutschen Fachzirkel. Sie hat versucht, einen Teil der Sammlung mit den Kindern in einer Handlungsform zu zeigen. Das „Drehbuch“ wurde mit Elternhilfe ins „Schwäbische“ übersetzt. Für die Schüler verschiedenen Lebensalters war es auch nicht leicht, den Text in der für sie unbekannten Mundart zu erlernen. Das Ereignis war natürlich nicht fehlerlos, aber die Vorbereitungen und die Aufführungen haben allen viel-viel Freude und Spaß gemacht. Die kleine Szene wurde öfters vorgestellt und hat viel Gefallen geerntet. Maria Arnold möchte ihr hausgemachtes Drehbuch allen zur Verfügung stellen, es könnte vielleicht ein Ansporn für ähnliche Versuche sein. Die Sprüche und Spiele erschienen in der NZ in zehn Folgen unter dem Titel „Kinderjahre der Urgroßmutter in Herend“.

Bilder aus Omas Kindheit

 1.

Vroni: Oh, Josef, die Arwet fällt mir so schwer! Unt es ist so heiß!

Josef: Nun, Vroni, wir haben schon gnug gearwet. Keh ma ham!

 Vroni: Bald ist es soweit. Bald krieg ich das Kind.

(Kinderweinen)

Schlaf, Kindlein, schlaf,

Tei Vade is a Graf,

Tei Muida is a armi Dirndl,

Muss den Graf sei Kindlein wiegn,

Schlaf, Kindlein, schlaf.

Vroni: Resi! Sali! Kummt! Ich muiss jetzt in die Kuchl geh. Passt auf eure klani Schweste auf!

Resi und Sali: Awer Muida, wir wüll mit unsri Puppen spiele!

Vroni: Tes könnt ihr jetzt nicht, ihr muisst mir helfe!

Resl und Sali:

Haia, popaia, Summer kummt der Maia,

Wenn die Kinder spielen geh,

Muss i bei der Wiege steh,

Macht die Wiege knjip, knjap,

Schlaf, du klani Pohnesack!

Kinder: Unsri Vada kummt ham!

Josef: Grüß Gott, Kinder! Seid ihr artig gwese?

Resi, Sali und Hansi: Ja, Vada! Was hat eng für uns mitgepracht?

Josef: Da habt‘s a Stickl Hasnprat!

Kinder: Tenk schee, Vada! (Sie laufen raus.)

(Vroni und Sali ziehen das Kind an.)

Vroni: Hilf mir, Sali! Gib mir jetzt te Faschl, tie Lumpe unt tie Gummilumpe, tie Haubn, tas Hemet, tas Reckl unt te Polster. Tas binde mir um. Sie kriegt noch a Cucl. Gib mir a Stickl Brat unt a Fecl. So.

Beide:

Schlaf, Kindlein, schlaf,

Im Kartn san tie Schaf,

Tie schwarzi unt tie weißi,

Tie werdn tas Marl peißi.

(Besuch der Kvatrin)

Kvatrin: Na, griß Gott! I hab eng was gebracht, dass eng bald auf die Fuiss kummt! Im Kvatrinhafe ist Weinsuppn und ta ist noch Fleisch und Tierekrapfe. Und a Flasche Wein dazu. (Sie tritt zum Kind)

Kvatrin: Bist du awer ein schenes Kind! Awer tes tarf i net sagn. Ich sag liewe: Du bist karschtig! Na, bleibt gsund!

Vroni: Fihrt Gott!

(Kinderspiele)

Resi und Nani:

Salz, Schmalz, kick Finger,

Ölepoche, Nasezupfe, Haarausrupfe,

Runde, runde, runde Patsch!

Mausi, Mausi, Mausi, schlupf ins Hausi!

Mari und Nani:

Huat, Resl, Huat,

Fahr mal in tie Statt,

Um a Lawl Prat,

Um a Seil Wein.

Reide, Reide iwen Grabn,

Wenn e nabfällt, muss e sagn,

Plumps, liegt‘s e trunt.

Parvi und Nani:

Patsch Händi zamm, patsch Händi zamm,

Was wird te Vada bringe,

Rote Schuh, weißi Strimpf,

Ta wird tie Nani springe.

Resi: Wastl, hockt am Nastl, ter Nastl pricht ab, ter Wastl fällt rab!

Hansi: Schuster tete, Schissl voll Fleh, Schissl voll Leis, is a Schuster sei Speis!

Alle Kinder:

Ringe, Ringe, Raihe,

Traie Metze, traie, Richter hat a stolzi Tirndl,

Kann net wasche, kann net pache,

Kann ka sauri Suppn koche, Huschalalala.

Vroni: Kinder, kummt Nachtmahl esse!

Kinder: Was gibt‘s, Muida?

Josef: Ticki Mülich und gebratne Krumpen. Und nach dem Essen geht ihr schlafe.

Alle:

Im Gottes Jesus Nome geh ich schlafen.

Heilige Schutzengel soll mi net verlassen.

Soll mi schicke sechs Engel.

Zwa zu Haupt, zwa zu Fieß, zwa newe mir.

Tes soll meini sechs Wächter sein.

Oh Maria, ohne Sinden empfangen,

Bitte für uns, wie wir zu dir unsre Zuflucht nehmen.

Oh Jesus, dir leben wir,

oh Jesus, dir sterben wir.

Oh Jesus, dir sind wir in Leben und in Toten.

Jesus, Maria und Josef, steh uns bei, von heit Nacht bis in Tag. Amen.

Aus dem Inhalt

Dynamisch entfaltet sich das Netzwerk ungarndeutscher thematischer Wege: Neue Lehrpfade entstehen in der Branau und im Donauknie

Die Entscheidung ist gefallen: Die jüngsten ungarndeutschen Lehrpfade werden in Bogdan/Dunabogdány, Mohatsch/Mohács und Petschwar/Pécsvárad errichtet. Aus einer anschaulichen Reihe von besonders niveauvollen Bewerbungen haben sich die Vorhaben dieser drei ungarndeutschen Ortschaften als die Besten erwiesen. Die neuen thematischen Wege, die nun schon die 10., 11. und 12. in der Reihe sind, müssen noch heuer fertiggestellt werden. Dies scheint auch ohne weiteres umsetzbar zu sein, denn alle drei Konzeptionen wurden sehr detailliert ausgearbeitet zur Unterstützung unterbreitet. Auf die 2015 geborene Initiative der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und durch die finanzielle Förderung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat wurden bisher acht örtliche ungarndeutsche Lehrpfade (in Schomberg, Sanktiwan bei Ofen, Tarian, Feked, Nadasch, Band, Badesek und Tscholnok) sowie ein Landeslehrpfad in Baje errichtet. Obwohl das vor sechs Jahren ins Leben gerufene LdU-Projekt damals ein Sprung ins Unbekannte war, hat sich die Lehrpfadidee seitdem mehr als bewährt.

Ob wir tun – oder müssen?

Wir, Menschen, als Individuen, sind in unserer äußeren wie auch in unserer inneren Erscheinung in der Welt, ohne unser eigenes Hinzutun, durch mehrere Faktoren vorbestimmt, determiniert. Eine große Rolle spielt dabei unsere genetisch bedingte Erbanlage, die unsere Charakter-Grundzüge bereits im Moment unserer Zeugung bestimmt. Der so genannte Determinismus, der der Auffassung ist, dass alle Erscheinungen durch Vorbedingungen festgelegt sind, ist als philosophische Richtung bereits in der Antike entstanden und ist eng mit dem Materialismus verwandt. Seine Vordenker suchten anstelle der mythologischen nach natürlichen Erklärungen der Wirklichkeit. Als wesentlicher gedanklicher Vater dieser Richtung gilt der griechische Philosoph Demokrit. Mit seiner Lehre führte er entgegen der damals verbreiteten Auffassung, dass Götter stets in das Weltgeschehen eingreifen, alles Geschehen auf das Zusammenspiel elementarer natürlicher Abläufe zurück.

Der Bürgerausschuss der Europäischen Bürgerinitiative „Minority SafePack“ fordert das Gericht der Europäischen Union auf, die Entscheidung der Kommission zur Initiative für nichtig zu erklären

Der Bürgerausschuss der Europäischen Bürgerinitiative „Minority SafePack – Eine Million Unterschriften für die Vielfalt in Europa“ (MSPI) reichte am 24. März beim Gericht der Europäischen Union eine Klage auf Nichtigerklärung der Entscheidung der Kommission über die MSPI ein, die sie in ihrer Mitteilung vom 15. Januar 2015 kundgetan hatte. Die Klageschrift basiert auf einer sorgfältigen juristischen Prüfung der Mitteilung der Kommission durch den Bürgerausschuss, die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) als Koordinatorin der europäischen Unterschriftensammelaktion sowie ihrer Rechtsvertreter. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Mitteilung tiefgreifend mangelhaft ist, weil die Europäische Kommission darin gegen ihre gesetzliche Begründungspflicht verstoßen und offensichtliche Beurteilungsfehler begangen habe. Die Kommission habe es versäumt, die Initiative richtig zu interpretieren. Die von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen seien im Hinblick auf die Ziele der Minority SafePack-Initiative offensichtlich unangemessen.

Haus der Vereine in Tarian dank BMI-Förderung erneuert!

Vor einem Jahr hat sich der Gemeinderat Tarian um neue Einrichtungen für das Haus der Vereine beworben. Der Grundgedanke, einen Ort zu finden, wo Groß und Klein, Alt und Jung, Tarianer und Gäste aktiv für das Dorf, für die Pflege der alten und neuen deutsch-ungarndeutschen Kontakte im In- und Ausland, für das Ungarndeutschtum und seine Bräuche etwas tun können, reifte seit etlicher Zeit. Das Haus der Vereine schien die beste Lösung zu sein, aber nur mit Umänderung und zweckentsprechender Einrichtung der Räumlichkeiten. Mit seinem Konferenzsaal (70 m2) kann es ein idealer Treffpunkt für örtliche und regionale ungarndeutsche Organisationen werden, da das Kulturhaus zu groß, das Heimatmuseum wieder zu klein für solche Zwecke ist. Es fehlt dem Deutschen Gemeinderat Tarian nur noch ein kleiner Schritt, um das Vereinsleben der örtlichen ungarndeutschen Organisationen auch auf diese Weise zu fördern. Die Vereine, zivilen Organisationen und Institutionen in der Gemeinde füllen erfreulicherweise den Programmkalender von Tarian Jahr für Jahr. Leider vergingen die letzten Monate coronabedingt ohne Veranstaltungen, aber hoffentlich kann man sich auf die baldige feierliche Einweihung des Hauses der Vereine freuen.

„Tarianer Geschichten“ – eine digitale Reise in die Vergangenheit

Wer von uns denkt nicht gern an die Momente aus unserer Kindheit zurück, wo die Aa‘l und der Aei‘l oder andere ältere Familienmitglieder lustige Anekdoten und Geschichten aus ihrem Leben erzählt haben. Diese Erzählungen haben uns Kinder immer in eine vergangene, spannende Welt mit vielen schönen, aber auch traurigen Episoden mitgenommen. Damit die Sitten und Bräuche dieser „alten Welt“ – all das, was aus den Menschen eine Gemeinschaft formt – auf diese Art weiterhin Teil unserer Gegenwart und Zukunft bleiben, hat der Tarianer Deutschklub auf Initiative der örtlichen Ungarndeutschen Selbstverwaltung mit dem Titel „Tarianer Geschichten“ eine aus acht Reportagen bestehende Filmreihe gedreht.

TeitschQuiz

Spannende Fragen, herrliche Stimmung und zahlreiche Teilnehmende beim ersten ungarndeutschen Online-Kneipenquiz

TeitschQuiz, die nagelneue Initiative des Lenau-Hauses und der dort tätigen Kulturmanagerin des Institutes für Auslandsbeziehungen (ifa), der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen (DSF) und der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU), erfreute sich großen Interesses, denn 33 Mannschaften mit insgesamt etwa 150 Teilnehmenden wetteiferten am 25. März um den Pokal des ungarndeutschen Online-Wettbewerbs. Den maximal sechsköpfigen Mannschaften wurden 66 Fragen in Bezug auf Vergangenheit und Gegenwart des Deutschtums in Fünfkirchen, in der Branau, in Ungarn und der deutschen Minderheiten weltweit gestellt – ernste und witzige Aufgaben gleichwohl. Als allerwichtigstes Ziel hatten die Organisatoren vor Augen, Coronaalltag durch Kultur und Spaß zu vergessen.

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