30 Jahre fruchtbare Freundschaft zwischen Dumbowa und Kernen im Remstal

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“

 

Kernen im Remstal ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Stuttgart und liegt etwa 16 km in östlicher Richtung von der Landeshauptstadt entfernt. Die attraktive Gemeinde im schönen Remstal ist 1975 nach dem Zusammenschluss der beiden einst selbstständigen Orte Rommelshausen und Stetten entstanden. Der neue Name „Kernen” leitet sich von der höchsten Erhebung im Schurwald ab, die vor allem durch den Kernenturm bekannt ist. Heute verfügt Kernen über rund 15000 Einwohner. Was verbindet aber die Gemeinde mit der Tolnauer Stadt Dumbowa/Dombóvár? Eine Freundschaft und Zusammenarbeit, die schon seit 58 Jahren inoffiziell und 30 Jahren offiziell bestehen. Anlässlich des runden Jubiläums berichtet Gabriella Grünwald, Vorsitzende der Partnerschaftsgesellschaft Dombóvár-Kernen i. R.

„Am 6. April 1991, vor genau 30 Jahren, hat seitens der Stadt Dumbowa Bürgermeister Dr. István Fazekas mit dem Bürgermeister der Stadt Kernen im Remstal Günter Haußmann die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Die feierliche Zeremonie, die bei uns stattfand, moderierte damals Dr. Eva Gerner. Ich erinnere mich noch genau daran, als Eva festgestellt hat, dass es nur an uns liege, ob diese Freundschaft fruchtbar oder furchtbar sein wird. Nach 30 Jahren darf ich schon behaupten, dass unsere Freundschaft fruchtbar genug war und ist. Claudius sagt: ‚Es gibt Freundschaften, die im Himmel beschlossen und auf Erden vollzogen werden.‘ – Unsere ist sicher so eine!“

Nach Frau Grünwald sind die Wurzeln der Partnerschaft auch in der traurigen Geschichte der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu suchen. Die eigentlichen Initiatoren des Kontaktausbaus Heinrich Becht und Stefan Zarth stammen aus einem kleinen Ort versteckt im Mecsekgebirge Gernisch/Gerényes, wenige Kilometer von Dumbowa entfernt. Die Schulkameraden hat die Vertreibung voneinander getrennt, erst 1963 konnten sie einander auf einem Stuttgarter Treffen der Gernischer Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen wiedersehen. Ab diesem Zeitpunkt fanden regelmäßig ähnliche Begegnungen statt. Über eine offizielle Partnerschaft durfte man aber damals noch nicht sprechen. Am 10. August 1984 kam zu dem ersten offiziellen Treffen der beiden Bürgermeister Haußmann und Vidóczy. Nachher trafen sich die Bürgermeister jährlich mindestens einmal auf verschiedenen Veranstaltungen, wie Schwabenbällen, Goldenen Konfirmationen der Vertriebenen und es wurden auch gegenseitige Reisen für den Liederkranz Rommelshausen und den Kapos-Chor organisiert. Aber auch andere Kulturgruppen stellten sich in Dumbowa und in Kernen im Remstal vor. Also die Freundschaft entwickelte sich ziemlich rasch, weil beide Seiten in der Kontaktsuche engagiert waren. 1989 verfasste der Gemeinderat von Kernen i. R. den ersten Grundsatzbeschluss, der in Aussicht gestellt hat, eine Partnerschaft mit Dumbowa einzugehen. Im gleichen Jahr wurde in der Tolnauer Kleinstadt ein Arbeitskreis für das gleiche Ziel gegründet. Im Feber 1991 kam eine Delegation aus Kernen i. R. nach Ungarn, um Hilfe bei den Vorbereitungen zu leisten, so konnte die Partnerschaft im April offiziell besiegelt werden.

Frau Grünwald erinnert sich an dieses Ereignis folgenderweise: „Ein lang ersehnter Moment ist damals in Erfüllung gegangen. An den Feierlichkeiten in Dumbowa nahmen rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus Kernen teil, die sehr herzlich bei uns aufgenommen wurden. In beiden Orten hat man Partnerschaftsgesellschaften gegründet. Diese Partnerschaft wurde mit Leben gefüllt. Die Arbeit zwischen den Partnerschaftsgesellschaften erstreckte sich vor allem auf die Gebiete Kultur, Sport und Soziales. Den Austausch charakterisierten besonders rege Kontakte. Es wurden sogar Ehen geschlossen!“

Jedes zweite Jahr gibt es seitdem gemeinsame Begegnungen. Daran sind Chöre, Tanzgruppen, Musikkapellen, Sportler, Ärzte, Fahrradfahrer und ganz einfache Privatpersonen beteiligt. Leider sind diese Begegnungen seit dem Ausbruch der Pandemie nicht so einfach wie früher, aber mit ständigem Briefwechsel versucht man, die bestehenden Freundschaften aufrechtzuerhalten.

Dumbowa und Kernen i. R. sind ein gutes Beispiel dafür, dass man nur dann eine gut funktionierende Partnerschaft aufbauen und richtig pflegen kann, wenn man, wie das Frau Grünwald schön formuliert, „mit Herzblut und vollem Engagement“ daran arbeitet. Die Gründungsväter blicken sicher stolz auf die Mission der Partnerschaftsgesellschaften herunter, denn zu ihren Bestrebungen passt das Motto „Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“ bis heute ununterbrochen.

Martin Surman-Majeczki

 

Aus dem Inhalt

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Frau Katalin Mayer-Herein ist mit 90 Jahren am 22. März in Wudigeß gestorben. Als Gründungsmitglied des Wudigesser Frauenchors und des Vereins für Traditionsbewahrung war sie sehr aktiv, sie nahm an allen Auftritten, Chortreffen, Kirchenfeiern, Buchpräsentationen, Kranzniederlegungen und anderen Veranstaltungen teil. Sie war das älteste Chormitglied, das der archaischen Wudigesser Mundart mächtig war, so korrigierte sie oft die Aussprache der jüngeren Sängerinnen auf den Proben. Sie wusste alles über die Geschichte des Dorfes in der Vorkriegszeit, es war ein Erlebnis, mit ihr über das alte Wudigeß zu sprechen.

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Dr. Michael Józan-Jilling, Internist und Kardiologe, Mitglied der Vollversammlung und Beirat für soziale Angelegenheiten der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sowie Vorstandsvorsitzender des Verbandes Deutscher Nationalitätenselbstverwaltungen im Komitat Tolnau, erhielt am 15. März 2021 das Ungarische Goldene Verdienstkreuz für die Erweiterung der deutsch-ungarischen Gemeindepartnerschaftsbeziehungen und sein langjähriges Engagement in der Pflege und Bewahrung der deutschen Volksbräuche und in der Interessenvertretung der Ungarndeutschen.

Geht der gesellschaftliche Wille in Verlor?

Wenn man sich in unserer Welt umschaut und nach Ideen sucht, die grandios und alles verändernd, also revolutionär sind, so muss man bald einsehen, dass dies scheinbar nicht jenes Zeitalter der Geschichte ist, wo man sehr philosophisch an die Sachen und Erscheinungen herangeht. Hieße das, dass wir in einer pragmatischen Weltzeit existieren? Wäre es der Fall, dass wir zweckdienlich handeln? Die Zeichen dafür fehlen in meinen Augen ebenfalls. Es kommt mir nicht so vor, dass man dabei wäre, die aktuellen Probleme um uns in den Griff zu bekommen und zu lösen. Wenn etwas diesen Weg einschlägt, findet man dahinter bald die Geschäftsidee, die auf Profite ausgerichtet ist, mit dem Anspruch, daran in globalem Ausmaß zu verdienen. Dieser Erkenntnis nach leben wir in einer materialistischen Zeit, wo Ideen stark erodiert und in ihrem Wert verfallen sind, denn Ideen sind keine Ware, die man an die Börse bringen kann, um sie als Wertpapier anzulegen.

Seltener dargestellte Schutzheilige

Die Verehrung von Heiligen stand zu jeder Zeit auch mit den Lebensumständen und den Erwerbsquellen der Bevölkerung im Zusammenhang. Der Weinbau sicherte zu gewissen Zeiten eine besonders rentable Einnahme. Dabei konnte man von relativ kleinen landwirtschaftlichen Flächen einen relativ großen wirtschaftlichen Gewinn erzielen. Da von der Weinlese Not oder Reichtum abhingen, gab es auch besondere Heilige, zu denen man um Hilfe und Beistand gebetet hat. Im Beitrag werden der heilige Urban und der heilige Kilian vorgestellt.

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„Ich habe auch gelernt, dass von nichts nichts kommt“

In der Osterausgabe der Neuen Zeitung (Nr. 13-14) wurde bereits über den einzigen ungarndeutschen Podcast „MeinLenau“ berichtet, der von ungarndeutschen Jugendlichen aus Fünfkirchen und aus der Region erstellt wird, für alle, die sich für die deutsche Kultur, Sprache oder allgemein für die deutsche Minderheit in Ungarn interessieren. In der achten Folge der Serie unterhielten sich Nikolett Zsifkovics und Krisztina Csordás mit dem erfolgreichsten Automobilrennfahrer Ungarns, Norbert Michelisz. Der Weltmeister des Tourenwagen-Weltcups (WTCR) in der Saison 2019 ist nämlich in einem kleinen ungarndeutschen Dorf in der Branau, in Nimmesch/Himesháza aufgewachsen. Im Interview erzählt er über seine ungarndeutsche Identität und über die deutsche Sprache. Auf der GJU-Seite kann man die gekürzte Version der Sendung lesen.

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Die Archäologische Erbschutz-Direktion des Ungarischen Nationalmuseums hat in Kooperation mit dem Ottó-Herman-Museum in Miskolc zwischen 2018 und 2020 an der Linie der geplanten Autobahn M30 Miskolc-Kaschau (Slowakei) Ausgrabungen auf 17 Hektar in zwölf Orten durchgeführt. Dazu gehört auch eine germanische Siedlung aus der Römerzeit neben dem Dorf Garadna. Für diese Stämme waren europaweit die in halber Höhe in die Erde versenkten Häuser typisch, die in Ermangelung von zurückgebliebenen konkreten Wand- und Deckenresten sowohl in Form als auch in Grundmaterial ganz frei und fantasievoll rekonstruierbar sind.

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