Überall im sog. Social Media dasselbe Bild: ein rotes Herz in den Fenstern. Kinder basteln und malen ein Herz und Mütter hängen es ins Fenster. Ein Herz für die Ärzte und Krankenschwestern. Ein Herz für die Feuerwehr. Ein Herz für die Rettungsleute. Ein Herz für die Polizisten. Ein Herz für die Pfleger im Altersheim. Ein Herz für die ApothekerInnen. Ein Herz für die VerkäuferInnen. Ein Herz für die Lastkraftwagenfahrer, die Lebensmittel etc. liefern… Ein Herz für all diejenigen, die nicht zu Hause bleiben dürfen.
Woher die Initiative stammt? Es ist nicht einfach herauszufinden, denn im vernetzten System der Bekanntschaften in den digitalen Medien kann man den Ausgangspunkt einer Grundidee schwer zurückverfolgen. Eigentlich stammt sie aber von einer Mutti aus der Branau, die damit ihren und anderen Kindern zeigen wollte, wie man Verantwortung übernimmt, Respekt und Dankbarkeit zeigt. Bereits binnen zwei Tagen haben sich über zweitausend Familien der Initiative angeschlossen und heute hängen überall in Ungarn rote Herzen in den Fenstern.
Eigentlich ist das „Woher“ aber gar nicht so wichtig. Viel entscheidender ist die Frage WOFÜR. Für die Arbeit? Für die Ausdauer? Für den unermüdlichen Kampf? Für den Mut? Für die schlaflosen Nächte? Für die Bereitschaft, auf Knopfdruck wieder in den Ring zu steigen? Für die Zeit? Für die Aufopferung des eigenen Familienlebens? Wahrscheinlich für all dies. DAFÜR, dass diese Menschen für uns andere da sind. In den Zeiten der Angst und der Ungewissheit. Wo wir zu Hause bleiben können und sie nicht. Wo wir online lernen und von zu Hause aus arbeiten können und sie nicht. Wo wir unsere Familie um uns haben und sie nicht. Wo wir uns isolieren können und sie nicht.
Ein Herz in einem Fenster ist ein kleines Zeichen. Ein Herz in VIELEN Fenstern ist bereits EIN SYMBOL. Ein Symbol für Solidarität, für Verständnis und vor allem für Dank. Ein Herz, das Alte und Junge, Wohlhabende und Notdürftige, Mehrheit und Minderheit verbindet. Ein Herz von uns für Viele. Ein Herz, um Zusammenhalt zu zeigen…
Mónika Óbert
Foto: Vivien Kiss Kozma
Aus dem Inhalt
Die Neue Zeitung erscheint am 3. April mit einer Doppelausgabe auf 40 Seiten.
Minderheitenbeauftragter Fabritius für koordinierten Minderheitenschutz in der EU
Beitrag von Minderheiten zu kultureller und sprachlicher Vielfalt in Europa würdigen
Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Prof. Dr. Bernd Fabritius, unterstützt die Initiative der niedersächsischen Landesregierung zur Bündelung der Zuständigkeiten für einen koordinierten Minderheitenschutz auf europäischer Ebene. Ziel des gemeinsamen Vorstoßes ist eine gesteigerte Effektivität der europäischen Minderheitenpolitik durch verbindliche und eindeutig zugeordnete Verantwortlichkeiten für Minderheitenfragen innerhalb der EU-Kommission.
Schutzmasken in freiwilliger Näharbeit
Die Nadascher wollen die Senioren im Ort schützen
Die Corona-Krise und vor allem die damit verbundenen Nachrichten haben die Ortschaften fest im Griff. Jeder möchte etwas tun, um die Zeit nützlich zu verbringen. Als sich herausstellte, dass die reale Gefahr naht, aber zu wenige Schutzausrüstungen vorhanden sind, rief die Familienhelferin von Nadasch Eszter Farkas-Jakab zum Nähen auf. Prompt meldeten sich zahlreiche Frauen, die mit der Nähmaschine gut umgehen können, und auch Stoffe wurden gespendet.
Ein Einblick in Leben und Werk der Valeria Koch:
„In memoriam Valeria Koch, die es hätte geben können“
Die wohl bekannteste und zweifelsohne meist zitierte ungarndeutsche Autorin Valeria Koch hinterließ ein reiches Lebenswerk, das seit 2019 Dank Maria Erb und Maria Wolfart in Form einer gemeinsamen Publikation des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler und des Ungarndeutschen Forschungszentrums der ELTE nun auch für das breite Publikum erreichbar ist.
Ein Autor zwischen zwei Welten
Zum Gedenken an Stefan Raile
„Meine Empfindungen sind zwiespältig. Nach so langer Zeit fühle ich mich von meiner Mentalität vorrangig als Deutscher. Auch an meiner Aussprache erkennt keiner mehr, woher ich stamme. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist, dass ich jedes Mal, wenn ich in Ungarn bin, selbst erstaunt feststelle, wie gut ich jenen Dialekt, der in Waschkut gesprochen wird, noch beherrsche. Mit älteren Menschen kann ich mich noch mühelos wie einst unterhalten, und dabei empfinde ich, dass noch eine Bindung da ist. So betrachtet, regt sich beides in mir. (…) Ich meine, Heimat ist eigentlich, wo man sich emotional hingezogen fühlt: ein Ort oder ein Landstrich, wo man sich angenommen weiß, mehr als anderswo wohlfühlt, wozu man enge Beziehungen hat. Enge Beziehungen habe ich zweifellos zu Waschkut. So gesehen, ist es ein Stück verlorene Heimat für mich.“ – So empfand der Schriftsteller Stefan Raile, als er im Jahre 2000 in einem Interview nach seinem Identitätsgefühl gefragt wurde.
Österliche Erinnerungen
Ostern und die vorangehenden 40 Tage waren auch in Herend viel mehr religiöse als profane Ereignisse. Wenn NZ-Autorin Maria Arnold in ihrem Gedächtnis nach Erinnerungssplittern aus der Kindheit sucht, kommen in erster Linie die Geschehnisse in der katholischen Kirche (aber auch zu Hause) und der Ablauf des Palmsonntags, der Karwoche und natürlich der der Feiertage hervor. Auch die viele Jahrzehnte hindurch maßgebenden, heute leider immer weniger bekannten Bräuche versucht sie in einen Strauß zu binden, bedauernd, über wie viele von ihnen nichts mehr zu berichten ist, weil sie schon in die Vergessenheit geraten sind. Für die Tage von Vorostern und Ostern hatte man „Vorschriften“, die aber eher wichtige Wegweiser sind, damit man am Ende die richtige Osterfreude erleben kann.
Wetterkatastrophe auf dem Schwabenberg und in ganz Ofen 1875
Die Deutsche Selbstverwaltung Bergland (Budapest XII.) hält ihre Gedenkfeier an die Vertreibung jedes Jahr beim sog. Deutschen Kreuz am Eötvös-Weg auf dem Schwabenberg. Auf dem Sockel ist folgender Text zu lesen: „Dieses Kruzifix wurde – der 50. Jahreswende der Vertreibung der Ungarndeutschen gedenkend – von der Deutschen Minderheitsverwaltung im XII. Bezirk/Schwabenberg an die Stelle des zur Erinnerung an den großen Wolkenbruch vom Jahre 1875 hier errichteten hölzernen Kreuzes gesetzt.“ Jedes Mal, wenn die Kranzniederlegung der Deutschen Selbstverwaltung hier unter Teilnahme der Schüler der deutschen Nationalitätenschulen stattfindet, wird über dieses Gewitter berichtet, damit sie wissen, dass es Wetterkatastrophen nicht nur in unseren Tagen gibt, sondern auch im Leben unserer Ahnen vorkamen. Neulich hat NZ-Autorin Maria Herein-Körös die deutschsprachige Beschreibung dieses Gewitters im Archiv ihres Onkels Lorenz Martin gefunden.
„Wir versuchen, diese schwere Zeit mit ähnlichen neuartigen Initiativen ein bisschen lustiger und ertragbarer zu machen“
balozz.hu ist ein Internetportal, wo man nach allen Arten von Bällen suchen kann, praktisch überall im Land. Die Nutzer können sich über die Unterhaltungsmöglichkeiten nicht nur informieren, sondern haben auch die Möglichkeit, ihre Events hochzuladen und zu bewerben. Das Ziel des Teams ist, den Leuten den Besuch der Bälle näher zu bringen. Bisher haben sie mehr als 2000 Bälle veröffentlicht, sie verfügen schon über ein breites Publikum. Ihre innovative Idee, einen Online-Ball zu organisieren, hat alle überrascht. Aus diesem Anlass hat GJU-Autorin Sára Egri mit den Initiatoren Áron Horváth und Kinga Fülöp ein Gespräch geführt und sie über das Konzept befragt.
Die nächste Ausgabe der Neuen Zeitung erscheint am 17. April




Sawed – deutschsprachiges Ortsschild
/in Neue Zeitung, NZ 22/2017 /von BachDorottyaAuf Initiative der Zivilbevölkerung bekam das kleine Dorf Závod im Komitat Tolnau in der Kleinregion Talboden ein deutschsprachiges Ortsschild: SAWED. Die Kleingemeinde, die heute etwas über 300 Einwohner zählt, war einst ein rein deutsches, katholisches Dorf. Die deutschen Ansiedler kamen 1718 aus Fulda hierher, fanden Ruinen einer alten Kirche vor und bauten in kurzer Zeit das römisch-katholische Gotteshaus (heute mit Denkmalcharakter) wieder auf. Die Größe und das Kircheninnere zeugen vom Wohlstand der einstigen Bewohner.
Die Straßennamen von Werischwar und Schaumar: Einzigartiges in der Sprachpflege
/in Neue Zeitung, NZ 21/2017 /von BachDorottya„Es wird einem warm ums Herz, wenn man diese Straßenschilder in Werischwar und Schaumar sieht“ – war das Fazit nach dem Vortrag von Marta Müller, Universitätsoberassistentin der Loránd-Eötvös-Universität zu Budapest, im Haus der Ungarndeutschen. Merkmale der alten bairischen Gassennamen, Aufgaben und Voraussetzungen für den Revitalisierungsprozess, Auswirkungen sowie gemeinschaftsfördernde Funktionen der alten Bezeichnungen standen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Vortrags der Werischwarer Linguistin am 17. Mai im Haus der Ungarndeutschen.
Abschiedsbesuch von Uwe Stiemke in Ungarn
/in Neue Zeitung, NZ 20/2017 /von BachDorottyaZwei Milliarden Forint in über dreißig Jahren – so hoch ist die Gesamtsumme, mit der die Gemeinnützige Hermann-Niermann-Stiftung mit Sitz in Düsseldorf Minderheitenprojekte in Ungarn förderte und fördert: Ausbau von Kindergärten und Schulen, Dienstwohnungen für Lehrer oder Begegnungsstätten für die Ungarndeutschen, Stipendien fürs Studium an deutschen Universitäten oder die Herausgabe von Literaturpublikationen. Vorsitzender der Hermann-Niermann-Stiftung, Uwe Stiemke geht dieses Jahr in den wohlverdienten Ruhestand und hat Ungarn, das von der Stiftung besonders gefördert wurde, einen Abschiedsbesuch gemacht.
Traditionspflege gehört zum Alltag
/in Neue Zeitung, NZ 19/2017 /von BachDorottyaDNG-Projekt in Schaumar – Das Budapester Deutsche Nationalitätengymnasium hat im März die Unterstützung der Deutschen Botschaft zur Durchführung eines Projektes erhalten. Im Rahmen des Projektes ist es geplant, mit Schülergruppen sechs Siedlungen im Norden von Ungarn zu besuchen, um ihre Bemühungen für Pflege und Erhalt der ungarndeutschen Traditionen zu erforschen und in Form von Fotos, Interviews und Videos zu dokumentieren.
Stichwort Dialog: Der Facettenreichtum der ungar(länd)ischen Kultur als Qualitätsmerkmal Gespräch mit Dezső B. Szabó, dem Leiter des Ungarischen Kulturinstituts in Stuttgart
/in Neue Zeitung, NZ 18/2017 /von BachDorottyaSeit Februar 2017 begrüßt der neue Institutsleiter, Dezső B. Szabó (Foto), der bekennende Ungarndeutsche aus Sankt Iwan bei Ofen, die Gäste im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart. Der studierte Germanist und Historiker kehrte in jenes Institut zurück, wo er 2000 – 2004 als wissenschaftlicher und kultureller Sekretär tätig war.