Boglar – Gedenken

Vor 75 Jahren mussten auch in Boglar/Vértesboglár 806 Einwohner ihr Haus und Gut verlassen – das waren über 70 Prozent der damaligen Einwohner der Gemeinde im Schildgebirge. Sie wurden gezwungen, ihr Leben, ihre Träume, ihre Bekannten, Freunde hinter sich zu lassen und mit einem Bündel in der Hand ein neues Leben weit weg von ihrer Heimat in einem anderen Land zu beginnen. Dort warteten auf sie vorerst Not, Leiden und Hunger. Sie wollten jahrelang wieder zurück ins Heimatdorf. Sie trafen sich und fragten sich: „Wann kehren wir wieder heim? Wann brechen wir auf?“. Die Rückkehr erfolgte aber nicht. Doch sie waren stark und haben nach einigen Jahren ihre neue Existenz aufgebaut, wurden angesehene und anerkannte Bürger Deutschlands.

In Boglar wurde am 14. Mai 2021 ein neues Denkmal zum Gedenken an die aus Boglar am 14. Mai 1946 vertriebenen 806 ungarndeutschen Bewohner eingeweiht. Am Denkmal ist die damalige Kundmachung in beiden Sprachen zu lesen, auf dem Stein ist ein Rosmarinzweig: das Symbol der Ungarndeutschen.

Um den Gedenkstein herum liegt Basaltkies, dieser stammt vom Gelände des ehemaligen Bahnhofs Boglar. Das Mahnmal steht auf dem Kirchplatz, wo sich die Vertriebenen verabschieden mussten. Hier sahen manche ihre Bekannten, Verwandten, Freunde für Jahrzehnte das letzte Mal (oder nie wieder) und wurden nachher mit Pferdewagen zum Bahnhof Vértesboglár gebracht.

Was wartete auf die Heimatverbliebenen? Sie lebten jahrelang in Angst vor weiterem Terror – oder Zwangsumsiedlung oder Enteignung. Familiär geschwächt, der Sprache, des Eigentums beraubt arbeiteten sie fleißig weiter. Sie versuchten uns – ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln – ungarndeutsche Tugenden, Religion, Sitten, Sprache zu vermitteln, um diese Nationalität am Leben zu erhalten. Jetzt liegt es an uns, um das, was noch übrig geblieben ist, an unsere Nachfahren weiterzugeben!

Dieses Denkmal sollte ein Zeichen setzen, welches uns und den Nachfolgegenerationen klar macht, dass so eine Schandtat nie wieder geschehen darf!

Wir möchten uns  bei allen bedanken, die bei der Errichtung dieses Denkmals mitgeholfen haben, sowie bei denen, die während der Gedenkfeier einen Kranz niedergelegt haben, und auch dem Kirchenchor für die Mitwirkung.

Ákos Szelle

Vorsitzender der Ungarndeutschen Nationalitäten-Selbstverwaltung

Aus dem Inhalt

 

Modifizierung des Nationalitätengesetzes einhellig unterstützt

Eine effektivere Parlamentsvertretung der Nationalitäten zu sichern sieht die vom Nationalitätenausschuss vorgelegte Modifizierung des Nationalitätengesetzes vor. Die Regelungen betreffen die rechtmäßige Aufstellung der Liste für die Parlamentswahlen durch die Landesselbstverwaltungen der Nationalitäten und die Teilnahme mit Beratungsrecht der gewählten Abgeordneten bzw. Sprecher an den Sitzungen der Landesselbstverwaltungen.

In der Parlamentsdebatte am 18. Mai teilte der Vorsitzende des Nationalitätenausschusses Emmerich Ritter mit, durch die Modifizierung soll gesichert werden, dass die Entscheidung der Landesselbstverwaltungen bezüglich der parlamentarischen Vertretung den Mehrheitswillen repräsentiert und in jeder Hinsicht rechtmäßig ist. Die Vertreter der Parteien unterstützten einhellig den Vorschlag. Koloman Brenner (Jobbik) schlug vor, den muttersprachlichen Unterricht in den von Nationalitätenselbstverwaltungen getragenen Schulen auf eine völlig andere Ebene zu heben sowie die kleinen von Abwanderung und Überalterung bedrohten Gemeinden besonders zu fördern. Imre Ritter betonte die Notwendigkeit, die Hochschulausbildung der Nationalitätenpädagogen zu stärken.

 

Deutsche Minderheiten als Adressaten und Akteure der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheitern, Prof. Dr. Bernd Fabritius, MdB, hat auf Einladung bei der Sitzung des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag über die Einbeziehung deutscher Minderheiten im Ausland in die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) gesprochen. Beauftragter Fabritius betonte die Bedeutung der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als Wegbereiter, Brückenbauer und Nachbereiter des vielfältigen diplomatischen Engagements Deutschlands im Ausland. Besonders wichtig ist für Fabritius die Unterstützung der Bundesregierung für die deutschen Minderheiten im Rahmen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als wesentlicher Beitrag zur Stärkung der ethnokulturellen Identität dieser Personengruppe: „Die Angehörigen der deutschen Minderheiten sind sowohl Adressaten als auch Akteure der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Unsere heimatverbliebenen Landsleute sind in Zeiten wachsender Nationalismen entscheidende Brückenbauer zwischen Deutschland und ihren Herkunftsländern und damit auch Botschafter eines modernen und zeitgemäßen Deutschlandbildes, in welchem nationale Minderheiten zum integralen Bestandteil der Gesellschaft gehören.“

 

Fronleichnam: Laubzelt und Blumenteppich in Ujfluch

In der Zeit der Großmütter haben die Frauen untereinander einige Wochen vor dem Fest besprochen, bei welchen Haustoren die vier Altäre aufgestellt werden sollen. Tage vor dem Fest gingen die Kinder und die Jungfrauen mit Körben auf die Wiese, um bunte Flurblumen zu sammeln. Bis zur Verwendung wurden die Blumen in kühle Keller gestellt. Einen Tag vor dem Fest schmückten die Frauen die Altäre in der Kirche mit weißen Blumen. Die Männer und die Burschen brachten vom Wald grüne Äste. Am frühen Morgen des Fronleichnamstags brachten die Männer von der Wiese frisch gemähtes Gras. Sie bespritzten den Weg mit Wasser, wo die Prozession vorbeizog, und bestreuten den Weg mit dem Gras. Die Männer und die Burschen stellten die grünen Äste am Straßenrand auf.

Hauptversammlung der Jugend Europäischer Volksgruppen 2021

Die GJU nahm auch teil

Die jährliche Hauptversammlung der JEV fand am 8. Mai 2021 in Online-Format statt. Zu diesem Anlass nominierten 24 Mitgliedsorganisationen (auch die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher), Partner und Gäste ihre Delegierten, um über die Pläne der JEV in den nächsten Jahren zu entscheiden, über die Vorschläge für die Änderung der Statuten und der Geschäftsordnung abzustimmen sowie neue Vorstandsmitglieder, Arbeitsgruppen und eine Revisorin zu wählen. Das neue Präsidium wird am 1. Juni das Amt übernehmen.

Vergangenheitsreise an der Donau

Es ist allgemein bekannt: wie kein anderer Fluss der Erde, fließt die Donau durch zehn Länder, vier Hauptstädte liegen an ihren Ufern. Die neue Sonderausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien zeigt bis zum 7. November den gesamten Flusslauf von den Quellen in Donaueschingen bis zur Delta-Mündung im Schwarzen Meer und thematisiert sie als scheidende Grenze, als verbindendes Element, als wichtigen Transportweg und als einmalige Naturlandschaft. Aus den reichhaltigen Beständen der Institution sind viele Exponate erstmals öffentlich zu sehen. Beschrieben werden diesmal detaillierter die kulturellen Seiten dieses Sehnsuchtsraumes.

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