Faschingsbrauch in Großdorf „Ihr Mädels sollt euch gut benehmen, sonst werdet ihr morgen den Nudelwolzer kennenlernen“
In Großdorf/Vaskeresztes ist es eine lange Tradition, am letzten Faschingssonntag mit einem Ball die Faschingszeit abzuschließen. Den Ball organisiert schon jahrzehntelang der örtliche Freiwillige Feuerwehrverein. Der Ball wurde von Josef Wölfinger, Feuerwehrkommandant, eröffnet.
Früher ging es im Winter lustig zu. Am 6. Januar, am Tag der Heiligen Drei Könige, begann die fröhliche Zeit und dauerte bis Aschermittwoch. Der größte Ball, der drei Tage lang dauerte, war der Faschingsball. Er begann am Sonntag um 18.00 Uhr. Die Mädchen standen in der Mitte des Gastzimmers (Gostzimmer) im Kreis und haben gesungen, solange die Musikanten nicht gespielt haben. Bis Mitternacht durfte sich das Mädel nicht setzen, erst nach Mitternacht durfte es mit einem Burschen gehen, wenn er sie eingeladen hat. Bis morgens um 6.00 Uhr haben wir getanzt. Zu Hause wurden schon die Faschingskrapfen gebacken.
Am Faschingsmontag sind die Burschen von Haus zu Haus gegangen, haben Getreide, Eier und Krapfen gesammelt. Sie waren als Faschingsnarren verkleidet und haben überall im Hause getanzt. In den Kellern, wo Mädchen waren, sind sie eingekehrt und haben eine kürzere oder längere Zeit gesungen. Ganz bis ans Ende der Kellerreihe, bis zum Unteren Berg gingen sie mit den Musikanten. Dann begaben sich alle, Burschen und Mädchen, singend zum Ball. Montagabend war der Männertag. Die Frauen saßen in zwei bis drei Reihen kreisförmig im Tanzsaal. So war wenig Platz. Da begannen die Burschen eine Rauferei, damit die Frauen nach Hause gehen sollen, aber mit wenig Erfolg! Am Dienstagnachmittag begleiteten die Burschen die Mädchen mit den Musikanten zum Ball. Die Mädchen zogen ihr schönstes weißes Kleid an. Die Röcke waren so breit, dass sie kaum zur Tür herein konnten.
Sie tanzten bis 17.00 Uhr, dann sind sie fröhlich zum Dorfende gegangen und haben gemeinsam den Fasching begraben. Eine Leiter und ein Strick wurden mitgenommen, der Kantor war in einem roten Kittel und las eine Litanei aus einem Kartenblatt. Symbolisch wurde ein Holzstamm begraben. Nach dem Begräbnis hat ein jedes Mädel einen Burschen zum Nachtmahl eingeladen. Am Abend haben die Jugendlichen wieder bis 23.00 Uhr getanzt. Da ertönten die Glocken, sie kündigten das Ende der Faschingszeit an. Die Mädchen gingen zu Mitternacht in die Kirche. Einmal hat ein Mädchen beim Tanzen kaltes Wasser getrunken und hat sich so erkältet, dass es an Lungenentzündung gestorben ist. Seit dieser Zeit sagt man: Wenn du tanzt, trinke kein Wasser! Die Mädchen gingen seit diesem Fall auch nicht mehr zu Mitternacht in die Kirche.
Wenn in der Faschingszeit keine Hochzeit war, zog man einen Holzstamm durch das Dorf. Das war im eigentlichen Sinne eine Hochzeit aus Spaß, ein mit großer Zeremonie und mit Musik gefeiertes Hochzeitsfest, an dem alle Jugendlichen beteiligt waren. Heuer stellten die örtlichen Traditionspfleger (die Mitglieder vom Chor und der Tanzgruppe) diese Momente auf die Bühne. Die Mädchen bereiten sich auf den Ball vor. Ziehen sich schön an, die Familienmitglieder geben ihnen Hinweise, wie sie sich benehmen müssen, mit wem sie tanzen sollen und sich nicht zum Tisch setzen dürfen, sondern bis Mitternacht nur im Kreise stehen sollen! „Ihr sollt euch gut benehmen, sonst werdet ihr morgen den Nudelwolzer kennenlernen.“
Die Burschen sind schon im „Gosthaus“, sind großzügig, loben den „Groschtawa“ Wein, „dessen Name soll gesegnet sein“. Als sie die schönen Mädchen sehen, sagen sie, „Wirtin, bitte dazuschreiben“ und gehen tanzen. Die Mädchen kommen, stehen singend im Kreis, der Ball beginnt. Die Jugendtanzgruppe Großdorf trug Choreographien von Josef Wenczl vor, eröffnete den Ball, der in guter Stimmung bis Montag früh dauerte. Montag früh gingen die Jugendlichen und die Feuerwehrleute – wie früher – mit den Musikanten von Haus zu Haus, sammelten Eier und tanzten mit den Hausleuten. Früher wurden die Eier am Aschermittwoch gemeinsam verzehrt, jetzt kommen wir alle am Wochenende wieder zusammen im Stillen – die Fastenzeit begann ja! Der Großdorfer Fasching wurde auch beim Schwabenball in Steinamanger mit großem Erfolg auf die Bühne gestellt. Die Wenczl-Choreographien wurden von der Krigli-Band begeistert begleitet. Die Großdorfer Tänzer trugen die Tänze „Faschingsball“, „Schwung“ und „Lustige Tänze“ vor. Der volle Ballsaal dankte mit großem Applaus.
Valéria Hatos-Németh
Leiterin der Traditionspfleger
Aus dem Inhalt
Geteilte Freude ist doppelte Freude: 20 Jahre Deutsch-Ungarischer Freundeskreis Metschge
Eine bereits seit 20 Jahren andauernde Geschichte haben wir am 16. März in Metschge gefeiert. Die Geschichte begann 1999 mit einer Idee. Damals konnten die Teilnehmer der Gründungsfeier nur hoffen, dass wir uns Jahre später immer wieder treffen können, um den gemeinsam zurückgelegten Weg zu feiern. In 20 Jahren konnten wir zahlreiche Veranstaltungen organisieren, waren gemeinsam an vielen Orten, haben Herausforderungen und Schwierigkeiten gemeistert und auch viele schöne Erlebnisse gesammelt.
Unterricht mit allen Sinnen: Expertin aus Bayern brachte Deutschlehrkräften wirkungsvolle Methoden bei
„Fotos, Gedichte, Bälle, ein Schal und eine Banane: alles auf einmal beim szenischen Lernen“ – unter diesem Titel fand am 4. März am Valeria-Koch-Bildungszentrum Fünfkirchen eine Fortbildung für Deutschlehrkräfte in den 5. – 12. Klassen statt. Dazu eingeladen hat das Ungarndeutsche Pädagogische Institut am Valeria-Koch-Bildungszentrum, das sich unter dem Motto „vernetzen, fördern, befähigen“ um die fachliche Unterstützung der Pädagoginnen und Pädagogen an Kindergärten und Schulen der deutschen Nationalität in Ungarn kümmert.
„Das gemeinsame Singen verbindet“ – Nadascher Stammtisch-Saison 2019 beendet
Seit 2012 wird der Nadascher Stammtisch – das gemeinsame Singen im Gasthaus Schlossberg – nun schon abgehalten. Es treffen sich jedes Jahr an langen Winterabenden zwischen Feber und März an die 30 – 40 Sangeslustige, um alte Gassenhauer, Volkslieder und Melodien neu zu beleben. Das war auch das ursprüngliche Ziel, das sich die Nadascher zu Beginn vor sieben Jahren, vorgenommen hatten. Bis heute hat der Singkreis ungebrochenen Erfolg: Mittlerweile lockt der Singkreis nicht nur aus Nadasch und Umgebung, sondern auch aus Fünfkirchen und Kaposvár Hobbysänger ins Dorf. Gemütlich verbringt man in den Wintermonaten einige Stunden mit gemeinsamem Singen, Harmonikamusik, bei Schmalzbrot und Tee, natürlich dürfen aber auch die guten Nadascher Weine nicht fehlen.
Der Bohler Kalvarienberg
Das von Ungarndeutschen bewohnte Bohl befindet sich im Komitat Branau, zwischen Fünfkirchen und Mohatsch. Die Kleinstadt verfügt über ein Kellerdorf, das aus fünf Kellerreihen und an die 400 Kellern besteht. Mittendrin, am Marienberg, steht der imposante Kalvarienberg der Stadt, der 1821 erbaut wurde. Die dazu gehörende Kapelle wurde 1845 errichtet. Es war hier früher Brauch, dass die Gottesdienste an Ostermontag immer in dieser Kapelle gehalten wurden. Foto: György Glász
Mein Heimatdorf und die Wurzeln sind ein wichtiger Teil meiner Identität
Nach den Gesprächen mit den beiden GJU-Vizepräsidenten Martin Surman-Majeczki (NZ 10/2019) und Bettina Emmert (NZ 11/2019) wollen wir unsere Reihe fortsetzen und die Präsidentin der GJU Blanka Jordan über ihre Einstellung zum Ungarndeutschtum, zur deutschen Sprache sowie über ihre Vorhaben befragen.
Pfeffermühlen aus der Kirsteuer-Kollektion
In der Kultea-Galerie des Ungarischen Handels- und Gastgewerbe-Museums in Altofen ist eine kleine, aber feine Kammerausstellung zu sehen. Eröffnet anlässlich der Design-Woche Anfang Oktober vorigen Jahres erwartet sie wegen des großen Publikumserfolges auch gegenwärtig – ohne fixes Schließungsdatum – die Besucher. Im Laufe eines Jahrzehnts hat der Rentner Franz Kirsteuer mehr als hundert Pfeffermühlen aus den letzten hundert Jahren zusammengetragen und teilweise – mit Liebe fürs Detail – eigenhändig restauriert. Ausgangspunkt dieser passionierten Sammeltätigkeit war eine einzige alte, ziemlich hübsche Pfeffermühle, die er von seiner verstorbenen Großmutter geerbt hatte.






„Sag beim Abschied leise Servus“ Trauer um einen Stimmkollegen
/in Aktuell, Neue Zeitung /von retipeterDen Ferenc-Faluhelyi-Preis der Stadt Fünfkirchen hat Johann Ritter nicht mehr persönlich entgegennehmen können. Seinen 68. Geburtstag hat er noch erlebt, doch am 11. September 2024 hat er für immer die Augen geschlossen.
Ein hervorragender Klarinettist, der die ungarndeutsche Blasmusik in ihren einzelnen Schwingungen authentisch erklingen ließ – von ihm müssen wir uns nun verabschieden.
„Für das Ungarndeutschtum in der Tolnau“ an Georg Müller
/in Aktuell, Neue Zeitung /von retipeterDer Verband der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltungen der Tolnau hat den diesjährigen Niveaupreis „Für das Ungarndeutschtum in der Tolnau“ an Georg Müller verliehen. Die Auszeichnung wurde beim Komitatstag am 2. September im Mihály-Babits-Kulturzentrum in Seksard vom Vorsitzenden der Deutschen Nationalitäten-Selbstverwaltung der Tolnau, Georg Féhr, und vom Ehrenvorsitzenden des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen der Tolnau e.V., Dr. Michael Józan-Jilling, überreicht.
300 Jahre entlang der Donau – Deutsches Jugendcamp in Ulm
/in Aktuell, Neue Zeitung /von retipeterDie Deutsche Selbstverwaltung Gereschlak hat mit einem Antrag an den Bethlen-Gábor-Fondsverwalter eine Förderung von 1,5 Millionen Forint für ein deutsches Nationalitätencamp gewonnen. Das Ziel war, ein besonderes Jugendcamp mit ungarndeutschem Hintergrund in Ulm zu organisieren, um auf diese Weise der 300-jährigen Ansiedlung der Deutschen in Ungarn zu gedenken. In Ulm und Umgebung haben wir Fahrradtouren unternommen, um die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen auf die Geschichte aufmerksam zu machen. Wir haben auch aus Gereschlak und Umgebung vertriebene Deutsche in und um Ulm besucht.
Weinlese 2024 – Ernte mit Hitzeschlag
/in Aktuell, Neue Zeitung /von retipeterIn Nadwar waren die staubigen Wege zu den Weinbergen voller Traktoren und eifriger Winzer, es herrschte ein reges Treiben im Kellerdorf. Bis Ende August waren fast alle Trauben schon geerntet, weit vor der üblichen Zeit. „Fast einen Monat früher mussten wir alles lesen“, erzählen die Winzer, die bemüht sind. den Most im Gleichgewicht zu halten. Die Hitze ist man bei diesen Arbeitsvorgängen nicht gewohnt, Umdenken und schnelles Reagieren sind gefragt. Zwar ist die Qualität meist gut, auch wenn die Trauben weniger Saft tragen, aber die Mengen werden wegen der schonungslosen Hitze auf jeden Fall geringer ausfallen.
Nachwuchsseminar für Studierende und Doktoranden in Passau: Geschichte des Rechts im Donau-Karpaten-Raum im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit
/in Aktuell, Neue Zeitung /von retipeterStudierende und Doktoranden sind herzlich eingeladen, am 21. September 2023 in Passau an einem Seminar für den wissenschaftlichen Nachwuchs teilzunehmen, das unmittelbar vor der internationalen Tagung „Geschichte des Rechts im Donau-Karpaten-Raum im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit“ (21. bis 24. September 2023) stattfinden wird.