Die ungarndeutsche Volkstracht von Taath – Buchpräsentation von Cecília M. Gulyás

Taather_TrachtenTaath/Tát war ein ungarndeutscher Ort im Komitat Komorn-Gran. Heute leben in der etwa 5400 Einwohner zählenden Kleinstadt nur noch sehr wenig Deutsche, die sich mit den Volksbräuchen und Trachten auskennen. 1976 wurde erstmals ein Frauenchor mit dem Ziel gegründet, alte Trachten und Lieder neu zu beleben. Der Deutsche Nationalitätensängerbund und der Puppenklub, wo Porzellanpuppen mit nachgeschneiderter Tracht ausgestellt werden, sind heute die erste Instanz, wenn es um Volkstracht vor Ort geht.

Die Diplomarbeit von Cecília M. Gulyás von der ELTE, die das Thema bearbeitet, wurde am 31. Januar in Taath vorgestellt. Die Germanistikstudentin mit Deutsch als Minderheitenfach hat 2018 eine Forschung unter der Leitung von Dr. Maria Erb mit Einbeziehung der noch auffindbaren wenigen Dialektsprecher im Ort sowie der Mitglieder des Frauenchors betrieben. Auf Einladung der Deutschen Selbstverwaltung Taath folgte nun die Buchpräsentation, musikalisch umrundet vom Taather Gemischtchor. Für die Arbeit von Gulyás bedankten sich Bürgermeister Lajos Turi, seitens der Deutschen Selbstverwaltung Vorsitzende Ilonka Schmidt und seitens der Gemeindeselbstverwaltung János Kostyál für den in ortsgeschichtlicher Sicht wertvollen Band.

Cecília_M_GulyásDie Autorin sprach nicht nur über den Inhalt, sondern auch über Schwierigkeiten des Zustandekommens: „Am Anfang ahnte ich nicht, dass ich einen so starken Sprach- und Traditionsverlust erfahren werde, dass sich die Dokumentation der deutschen Volkstracht von Taath derart schwierig gestalten wird“, meinte Gulyás. Die Forschung wurde dadurch erschwert, dass es kaum mehr Menschen im Ort gibt, die die einzelnen Kleidungsstücke der ehemaligen Tracht im Dialekt benennen konnten. Ein Phänomen, das man gewiss nicht nur in Taath beobachten kann.

Oft merkte Cecília M. Gulyás auch, dass in den Familien zwar einzelne Kleidungsstücke auffindbar waren, jedoch komplette Trachten nicht mehr. Sie habe sich deshalb nur anhand von Archivfotos ein Bild über die Tracht machen können. Wie auch in anderen ungarndeutschen Orten, haben die Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Taath ihre Trachten „geopfert“. Breite Oberröcke wurden zerschnitten und daraus andere Kleidung genäht. Auch die Anpassung an die praktische Massenkleidung der Nachkriegszeit war zu beobachten. Man versuchte, sich „herrisch“ zu kleiden. In der Frauentracht blieben nur noch die wertvolleren Kopf- und Schultertücher, sog. Berliner Tücher, länger präsent. Die Nähe zur Hauptstadt war auch ein wichtiger Faktor der Änderung bzw. Ablegung der Männertracht. Besonders viele Männer der Gegend arbeiteten nämlich in den umliegenden Bergwerken. Sie brauchten praktische, einfache Arbeitskleidung. Die Herrenmode der Hauptstadt hatte zudem auch großen Einfluss: statt Stiefelhosen erschienen Pantalons, Stiefel wurden durch Halbschuhe ersetzt.

IMG_1189Der 2018 erschienene, zweisprachige Band beinhaltet Informationen über die Trachtenkleidung beider Geschlechter. Die Frauentracht, darunter die Haartracht und Kopfbedeckung, Schmuck und Accessoires, einzelne Kleidungsstücke vom Leibchen bis zur Schürze, werden auf Fotos gezeigt und detailliert beschrieben. Bei der Männertracht wird von der Barttracht bis zum Schuhwerk ebenfalls alles dokumentiert. Auch die Kindertracht bekommt im Band ein eigenes Kapitel. Die Pflege und Aufbewahrung der Kleidung sowie ein kleiner Ausblick auf die Tracht heute bilden den Schlussteil der Arbeit.

Auf Wunsch der örtlichen Deutschen Selbstverwaltung wurde die Diplomarbeit 2018 zur eigenständigen Publikation umgearbeitet, da es im Ort sehr wenig Nachschlagewerke über die örtliche Volkskunde gibt. Die DNSV möchte dieses Werk als Unterrichtsmaterial in der Grundschule für den Deutschunterricht einführen.

GS

Gulyás, M. Cecília:„Die ungarndeutsche Volkstracht von Taath“
Nr. XXIX. Romanika Verlag Budapest. 2018.

Ein Exemplar befindet sich auch in der Ungarndeutschen Bibliothek im Haus der Ungarndeutschen (Budapest VI., Lendvay u. 22)

 

Aus dem Inhalt

Wir feiern Jubiläum: 25 Jahre NZjunior

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Die beliebte Kinderbeilage unseres Wochenblattes, NZjunior, feiert dieses Jahr Jubiläum. Gegründet wurde sie 1994 von der damaligen NZ-Redakteurin Beate Dohndorf , die bis zu ihrem Tod 2017 als Redakteurin für die Kinderbeilage zuständig war. Mit vielen Ideen und Enthusiasmus gestaltete sie die NZjunior 23 Jahre lang ununterbrochen. 2018 übernahm Dorottya Bach die Stafette, sie macht die Junior-Seiten, wie wir sie heute kennen.
Während dieser 25 Jahre erfreute sich unsere Kinderbeilage großer Beliebtheit und findet in vielen ungarndeutschen Schulen im Deutschunterricht Verwendung. Zum Jubiläum wurde Anfang des Jahres ein Aufruf gestartet, dass unseren kleinen Lesern ermöglicht am Jubiläum teilzuhaben, indem sie Torten für NZjunior entwerfen. Die eingesandten Meisterwerke werden in den kommenden Ausgaben von NZjunior veröffentlicht. /GS

„Valerias verdichtete Welten“ in der Deutschen Bühne Ungarn

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Einen hervorragenden Beitrag zum Gedenkjahr Valeria Koch lieferte mit dem szenischen Gedichtsabend „Valerias verdichtete Welten“ das Team der Deutschen Bühne Ungarn, dessen Premiere am 5. Februar und weitere Vorstellungen am 6. Februar und 7. Februar in Seksard stattfanden. Die tolle Aufführung zu Ehren der ungarndeutschen Schriftstellerin (1949 – 1998) wurde erarbeitet und zusammengestellt von den mitwirkenden Schauspielern der DBU. Die eigenständige, gemeinsame Arbeit (ohne Regisseur) stärkte den Zusammenhalt im Ensemble und förderte den Teamgeist, summierte Intendantin Katalin Lotz sichtlich zufrieden nach der Aufführung im Kreise der Familie, der Wegbegleiter, Freunde und Verehrer der Dichterin. Die Schauspieler wählten treffsicher Werke von Koch in deutscher und ungarischer Sprache aus und setzen sie beeindruckend in Szene.

Zusammenarbeit zwischen EJF Baja und ELTE Germanistisches Institut

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Zu Beginn des Sommersemesters, am 01. Februar, nahmen etwa 30 Nationalitäten-StudentInnen der Eötvös-József-Hochschule in Baje an einem interessanten Workshop-Tag teil. Das Thema war Sprachkontakte und Sprachbiographien. Am Vormittag hielt Frau Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi, Professorin der Eötvös-Loránd-Universität Budapest, einen Vortrag über die Sprachkontakte und über die Entwicklungstendenzen des Deutschen. Sie klärte zuerst die wichtigsten Begriffe des Sprachkontaktes und brachte viele Beispiele dafür, wie Sprachen auf persönlicher und auf nationaler Ebene aufeinander wirken können. Die StudentInnen hatten die Möglichkeit, während des Vortrags Fragen zu stellen.

Theresia Szauter: „Schlüsselbegriffe meines Leitungsprogramms sind ‚Tradition‘ und ‚Innovation‘“

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Das von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen mitgetragene Ungarndeutsche Bildungszentrum Baje (UBZ) wird seit Januar dieses Jahres von Theresia Szauter (rechts) geleitet. Die aus Hajosch stammende Lehrkraft übernahm die Aufgaben der Ende 2018 ausgeschiedenen Hauptdirektorin Gabriella Scherer. Theresia Szauter unterrichtet seit 1989 am Ungarndeutschen Bildungszentrum, war jahrelang als Leiterin der Einheitlichen Schule des komplexen Bildungszentrums tätig, und möchte als neue Institutionsleiterin den von ihrer Vorgängerin eingeschlagenen Weg gehen.

Im Februar ist in Tarian immer etwas los!

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Der Tarianer regionale Schwabenball ist jedes Jahr eine außergewöhnlich festliche Veranstaltung in der Sporthalle. Am 02. Februar kamen etwa 540 Ballgäste. Für die Tarianer ist es immer eine große Ehre, dass die Tanzgruppen, klein und groß, der Chor und die Kapellen den Gästen aus dem ganzen Land, sogar aus dem Ausland das ungarndeutsche Erbe präsentieren dürfen. Nach dem Schwabenball folgt jedes Jahr das Chortreffen. Der Tarianer Chorverein organisierte mit etwa zehn mitwirkenden Gruppen aus dem ganzen Lande ein hochwertiges Treffen. Wir haben die gleiche Sprache, doch klingt sie immer ein bisschen anders. Es ist stets sehr interessant, dass sogar Dörfer, die nicht mehr als 15 Kilometer entfernt sind, einen anderen Dialekt sprechen die Tarianer. Auch in der Melodie kommen Unterschiede vor.

Bei der Gala mitgewirkt

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Bei der Gala der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen am 12. Jänner im Budapester Kongresszentrum wirkten die besten ungarndeutschen Kulturgruppen mit. Wir stellen diesmal vor: die Willander Jugendblaskapelle, die Sax Buam, die Gebrüder Bernárd und Noel, den deutschen Nationalitätenchor des Lovassy-Gymnasiums sowie die „Füzes“-Kindertanzgruppe.

Valeria Kochs Gedicht aus junger Perspektive

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Die GJU-Multiplikatorin Sára Egri aus Leinwar startetete vor Kurzem einen Buch- und Literaturblog. Auf diesem Blog befasst sie sich auch mit Themen der ungarndeutschen Literatur, natürlich aus junger Perspektive. Auf der GJU-Seite wird ihr Blog „Zu Hause bist du daheim – ist es wohl so einfach? geteilt. Egri schreibt: Unsere Zugehörigkeit, Identität ist ein sehr komplizierter Fragenkreis. Wir assimilieren uns, heben ab, verschwinden und erscheinen. Viele Künstler hat das Entziffern dieser Gedanken inspiriert. Diesmal rufe ich das Gedicht von Valeria Koch zu Hilfe, um das Ganze besser verstehen zu können.

 

Wird der Fünfkirchner Mandelbaum der „Europäische Baum des Jahres 2019“?

MAndelbaum_Fünfkirchen_svastits_photographyDie Initiative „Baum des Jahres“ wird seit 2011 jedes Jahr von der Environmental Partnership Association Brüssel ausgerufen. Letztes Jahr schaffte es der Fünfkirchner Mandelbaum ins diesjährige Finale, da er zum Baum des Jahres in Ungarn gewählt wurde. Der etwa 135 Jahre alte Mandelbaum (Foto: Svastits) steht auf dem Schneeberg in Fünfkirchen, einem bekannten Ausflugsziel und zugleich auch Wallfahrtsort der in der Stadt lebenden Ungarndeutschen und Kroaten. Im Europäischen Finale wetteifern nun 15 Bäume aus ganz Europa um den Titel „Baum des Jahres 2019“. Für den Fünfkirchner Mandelbaum kann bis Ende Feber auf der folgenden Webseite gestimmt werden: https://www.treeoftheyear.org/home

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